Gut abgeduftet: Wenn Geruch geil macht

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Fetische sind unter Erwachsenen das, was früher in meiner Kindergang Schürfwunden waren. Wer eine hatte, war gleich eine ganze Ecke cooler als die anderen, krasser, interessanter. Schürfwunden hatte ich ständig, einen echten Fetisch habe ich bis heute nicht gefunden. Damn. Autorin Mia Fox dagegen hat einen ganzen Koffer voller Fetische, einen Bartfetisch zum Beispiel. Und einen Seilfetisch. Und einen Ich-kann-mich-nicht-entscheiden-Fetisch. Doch auch sie muss bisweilen staunen, wenn ihre Mitmenschen ihr von den Dingen erzählen, die sie so erregen, wie mich höchstens die Aussicht auf ein halbes Hähnchen mit Pommes Schranke. So fährt Mias neueste Eroberung auf Geruch ab. Körpergeruch, Sexgeruch, Achselschweißgeruch. Wie Mia das findet und wie der Sex mit einem Menschen ist, der sich vom Geruch des anderen anturnen lässt, erzählt Mia jetzt.

Von Mia Fox

Ich stehe auf Fetische und Vorlieben. Sie sind so individuell wie Lady Gagas Kostümwahl. Jede Vorliebe ist auf ihre Weise besonders. Sie werden durch Zufall erkannt, entwickeln sich über einen längeren Zeitraum oder waren schon immer da. Über die Gründe für die Entstehung eines Fetischs stritten und streiten sich bis heute viele Sexualforscher. Aber über das Warum möchte ich hier gar nicht philosophieren. Ich hasse Theorie. Viel spannender ist doch die Praxis.

Fangen wir bei mir an. Mir kommt der Hipstertrend gerade sehr gelegen, denn ich habe eine Vorliebe für Vollbärte. Schon immer. Okay, okay, seit der ersten Hormonausschüttung in meiner Pubertät. Dieses Kribbeln beim Küssen, das Geräusch beim Kraulen und diese unglaubliche Männlichkeit, die so zum Ausdruck gebracht wird. Hach ja, da bekomme ich sofort Gänsehaut. In der Fachsprache heißt dieser Fetisch übrigens Pogonophilie.

Freunde von mir sprechen gerne von einem Vaterkomplex, und so langsam vermute ich das auch. Aber ich glaube, meine Vorliebe für Bärte hat viel mehr etwas mit einer anderen Gruppe von Respektspersonen in meinem Leben zu tun. Mit meinen Lehrern, Professoren. Denn wenn Mann zu besagtem Bart auch noch eine Brille und ein Tweedsakko trägt, bevorzugt übrigens mit Ellenbogenabnähern, gehe ich zitternd und winselnd vor ihm auf die Knie. Bart, Brille und Tweed. Ich stehe einfach auf den Oldschool Lehrerstyle.

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Gestern bekam ich eine SMS. Ich war mit einem, wie naheliegend, bärtigen Mann verabredet. Er schrieb mir, ich solle den ganzen Tag kein Deo benutzen, er stehe auf Geruch, auf Körpergerüche, vor allem, die Vorstellung, wie ich schwitzte, würde ihn verrückt machen. Wie praktisch, diese Vorliebe für Geruch und Schweiß (auch bekannt als Olfaktophilie), dachte ich, spare ich mir gleich mal die morgendliche Dusche. Und: Für den bärtigen Herrn muss es die absolute Erfüllung sein, sich im Hochsommer im Berufsverkehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen.

Wir trafen uns, er verführte mich, ich ihn. Nachdem er mich tantrisch in andere Sphären gebracht hatte (Tantra kann ich übrigens jedem wärmstens empfehlen), spürte ich plötzlich seinen Riechkolben in sämtlichen meiner Körperöffnungen und Hautfalten. „Ich liebe deinen Geruch“, sagte er. Das war für mich das Seltsamste, was ich seit Langem erlebt habe. Und ich erlebe verhältnismäßig viele seltsame Dinge.

Er kniete vor mir, hinter mir, seine Nase war einfach überall. Beim Sex hielt er meine Arme hoch, so dass er meine Achselhöhlen mit seinem Zinken regelrecht penetrieren konnte. ich versuchte, mir immer wieder zu sagen, dass er völlig darauf abfährt, auf Geruch, meinen Geruch. Denn mein erster Impuls war: Oh mein Gott! Ich stinke!

Ja, das tat ich. Und er fand das ganz wundervoll.

Als wir später verschwitzt nebeneinander im Bett lagen, sagte er, ich hätte völlig neutral gerochen. Das überraschte mich, denn am Vortag hatte ich mich körperlich schon etwas verausgabt und morgens sogar die Dusche weggelassen (sorry, liebe Kollegen und Mitmenschen).

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Wie ich es fand, dass meine bärtige Eroberung so sehr auf Geruch steht? Es war trotz anfänglicher Scham ein schöner und intimer Moment. Besonders toll fand ich aber, dass der junge Mann kein Geheimnis aus seiner Vorliebe machte. Ich mag es, wenn jemand seinen, vielleicht noch schlummernden, tierischen Instinkten folgt. Ich liebe euch einfach für eure Vorlieben, ob das nun eine Liebe zu einem bestimmten Geruch, einem Material oder einem Teil des Körpers ist. Bitte mehr davon!

Fotos: Ika Fan
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