Gehorche mir – das Spiel mit Dominanz und Hingabe

By  |  2 Comments

Achtung, Achtung! Der folgende Text enthält explizit sexuelle Wortwahl –
wenn das nicht euer Ding ist, bitte weitergehen und was anderes lesen. Vielleicht das hier? :)

Ein Text von Mia Fox

In meiner Fantasie war ich kompromisslos, willensstark, hart. Und jetzt? Öffne ich die Tür mit zittrigen Knien wie ein Teenie beim ersten Zungenkuss. Ich hoffe, er lacht nicht, wenn er mich sieht, ich hoffe, er bemerkt meine Unsicherheit nicht, und vor allem hoffe ich, dass ich auf den 12-Zentimeter-High-Heels einigermaßen laufen kann.

„Möchtest du mir noch etwas sagen? Noch hast du die Möglichkeit.“ Er verneint. Ab dem Überschreiten meiner Türschwelle herrscht für ihn Sprechverbot.

Wir hatten schon viele intensive Momente miteinander, aber nie in dieser Rollenverteilung. Das ist auch der Grund, warum ich gerade vor Aufregung fieberähnliche Zustände durchlebe. Sein Grinsen verunsichert mich nur noch mehr. Er zieht seine Schuhe aus, mein Herz rast wie nach drei Energydrinks auf ex. Als er mein Schlafzimmer betritt, bleibt er stehen, dreht sich zu mir um und lobt mein Outfit. Dieses Lächeln! Aber ich gebe zu, das schwarze Korsett und der enge Bleistiftrock betonen perfekt meine Rundungen. Ich fühle mich gut darin.

„Weiter!“, gebe ich ihm zu verstehen, zurückhaltender als eigentlich geplant. „Unterwäsche kannst du anlassen. Noch.“ Er zieht sich aus und kommt auf mich zu, seine Hände gleiten über meine Taille. Diese Berührung fühlt sich so unglaublich gut an. Am liebsten möchte ich, dass er mit seinen Händen meinen Körper weiter erkundet, gleichzeitig will ich ihn nicht die Oberhand gewinnen lassen. Er soll auf die Knie gehen und tut es. Was für ein Anblick. Seine Augen verbinde ich mit einem Schal und fessele seine Arme auf den Rücken.

Dominanz1

Wir treffen uns seit einigen Monaten, und doch kenne ich ihn nicht. Ich weiß fast nichts über ihn. Er ist ein Geheimnis, ein Mysterium. Er versucht, sein Leben in einer perfekten Blase zu halten, mit der Angst und in der Hoffnung, dass die Blase nicht platzt und seine kleinen, schmutzigen Geheimnisse zum Vorschein kommen. Dieser Mann, der da jetzt nur in Unterwäsche bekleidet vor mir kniet, der mich selbst schon so oft gefesselt hat, mit dem ich so viele Nächte verbracht und viel gelacht habe. Doch, etwas weiß ich über ihn: Ich kenne seine Schwachstelle. Ich weiß, wie gern er vom smarten, schüchternen Blondschopf zum devoten und um Gnade flehenden Mann wird. Ein Grund mehr, mich zu konzentrieren, auf meine Dominanz, meine Macht über ihn.

Ich ziehe meine Schuhe aus, um auf leisen Sohlen zu meinem Eisfach zu stolzieren und eine Schüssel Eiswürfel zu holen. Zeit, seinen Brustwarzen meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Zuerst mit einer erfrischenden Eiswürfelabkühlung und im Anschluss mit fiesen Nippelklemmen. Seine unterwürfige Haltung und das stumme Flehen lassen mich dahin schmelzen wie die Eiswürfel auf seiner warmen Haut. Ich löse die Fesseln, denn nun bin ich an der Reihe. Breitbeinig mache ich es mir auf dem Bett gemütlich, während er immer noch vor mir auf dem Boden kniet. Sein harter Schwanz zeichnet sich in seiner Unterhose ab, während seine Hände an meinen Beinen entlang gleiten. Immer weiter aufwärts, bis er mit seinen Fingern meine Erregung spüren kann. Eigentlich war das nicht von mir geplant, aber ich hatte anfangs auch nicht vermutet, dass mich dieses Spiel so anmacht. Genau das fühlt er nun, meine unbändige Leidenschaft, mein Verlangen nach ihm.

Eine Weile genieße ich seine volle Aufmerksamkeit, bis ich aufstehe und seine weichen Lippen küsse. Doch dann passiert etwas, mit dem ich nicht gerechnet und über das ich mir im Vorfeld keine Gedanken gemacht habe: Er muss aufs Klo! Verdammt! Wie stelle ich das jetzt geschickt an? Ich lasse ihn aufstehen und schicke ihn blind ins Bad. Während er sich langsam vortastet, habe ich kurz Zeit, durchzuatmen. Was mache ich hier eigentlich? Hätte ich nicht einen Anfänger für mein erstes Mal in Sachen weibliche Dominanz nehmen können? Jemanden ohne Erwartungen und konkrete Vorstellungen? Stattdessen suche ich mir jemanden aus, der tief in der Materie steckt, für den Begriffe wie Dominanz und Hingabe keine Fremdwörter, sondern sehr vertraut sind, der sich in seiner Fantasie Sachen ausgemalt hat, die ich hier und heute mit Sicherheit nicht erfüllen kann.

Dominanz2

Panik bricht in mir aus, ich höre die Toilettenspülung, hole noch einmal tief Luft und gehe wieder ins Schlafzimmer, um ihn zu küssen, nachdem er sich wieder bis zu mir vorgetastet hat und mich berührt. Ich weiß gar nicht, ob ich mit meinem Verhalten nicht gegen „Regeln“ verstoße. Aber ich liebe seine Berührungen, seine Blicke und sein zufriedenes Lächeln. Ihm ist gar nicht bewusst, welche Ausstrahlung und Anziehung er auf mich hat. Und jetzt ist er hier, vertraut mir und gibt sich mir hin. Mir, meiner Dominanz.

Er zittert am ganzen Körper. Ich schnappe mir meine Decke und ein Seil, wickle ihn darin ein und lege die Seile fest darum. Nun sitzt er verschnürt vor mir, ein weiches und zitterndes Paket. Ich denke nur an mein enges Korsett, das mich zwar unglaublich sexy, aber auch unglaublich bewegungsunfähig macht. Bei der Auswahl dachte ich, es verschafft mir mehr Selbstbewusstsein und Stolz, dass ich damit mehr Dominanz ausstrahlen würde, aber nun stehe ich da und bekomme fast keinen klaren Satz zu Stande, obwohl so viele Empfindungen und Ideen in meinem Kopf herumschwirren – Gefühle, Komplimente, Befehle, Beleidigungen. Doch nichts! Nichts von alledem kann meinen Kopf verlassen. Es fühlt sich an, als würde das Korsett nicht nur meinen Körper, sondern auch meinen Hals zuschnüren.

Ich habe mir eine halbe Ewigkeit Gedanken darüber gemacht, was ich anziehe, aber nicht darüber, wie ich das Ganze beende. Jede meiner Körperregionen schreit nach Sex. Dennoch entscheide ich mich dafür, einfach nur mit ihm im Bett zu liegen, zu kuscheln und seine Nähe zu spüren.

Nach dieser Erfahrung und weiteren, die danach folgten, weiß ich immer noch nicht, ob ich dieses Spiel aus Neugier oder ihm zu Liebe gespielt habe. Aber ich kann sagen, dass ich Blut geleckt habe und mich weiter mit der Materie Dominanz beschäftige. Selbst, wenn mein erstes Mal nicht so verlief wie von mir erhofft.

Fotos und Model: Princess of Pain

2 Comments

  1. Pingback: Hey Autor*innen, Fotograf*innen und Musen – danke, Gang

  2. JudgeDark

    2. September 2016 at 18:35

    Auch wenn ich kein Fan dieser Form des Liebesspiels bin … sehr schön geschrieben, da möchte man die weitere Entwicklung gerne textlich verfolgen! ;)

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *