#Freethenipple: Gleichberechtigung für unsere Brustwarzen!

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Wir bei Mimi&Käthe lieben Nippel. Große, kleine, pinke, zart rosé-, milchkaffee- und olivfarbene. Alle halt. So Brustwarzen sind wie die Kirsche auf dem Kuchenkörper, machen Sinn und sind hübsch anzusehen. Umso verwunderlicher, dass ihr Anblick so manchem sauer aufstößt und es immer wieder Menschen gibt, die die feinen Knöpfe als obszön, da – in ihren Augen – schrecklich und widerlichst sexuell, beschimpfen. Lächerlichkeit galore. Jeder, der ernsthaft eine solche Meinung vertritt, hat doch ein Ei am Wandern, mit Verlaub. Sagt auch unsere Autorin Artie Shaww, die wie wir Nippel aller Couleur, Form und Herkunft wunderbar findet. Eine Ode an die Knospe.

Von Artie Shaww

In letzter Zeit kochen die Gemüter gemütlicher german people hoch. Die Menschen in Deutschland haben Angst und scheuen sich nicht, ihre Furcht im Netz heraus zu plärren, ohne darüber nachzudenken, was Hetze und Häme bewirken können. Jeder und jede kann wirklich alles von sich geben, bevor auch nur ein Anbieter eines sozialen Netzwerkes eingreift und die diffamierenden Beiträge löscht. Da wird Mord und Totschlag angedroht, Massenvergewaltigung und Hinrichtung der Eltern, Kopfschüsse und Mutterficken sind nur die Spitze des Eisberges.

Was aber gar nicht, wirklich GAR NICHT geht, absolut verwerflich ist und SOFORT zensiert wird, ist nicht etwa die öffentlich auf Facebook geforderte Auslöschung eines ganzen Volkes, nein, sondern ein kleines Stück Haut. Klitzeklein, rosa oder braun, mal mit Haar, mal ohne Härchen. Sowohl Männer als auch Frauen besitzen dieses Stück, obwohl die Männer mit dem Zeigen desselben eher selten bis gar keine Probleme haben. Richtig: Es geht um die Brustwarze.

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Die stinknormale Brustwarze. George, Gina und Lucy haben sie, ebenso wie deine Mudda und der Wurstwarenverkäufer im Supermarkt deines Vertrauens. Da kannst du dir mal sicher sein.

Sicher ist ebenso, dass eher Brustwarzen zensiert als Beleidigungen im Internet gelöscht werden. Doch Halt, werden jetzt einige von euch einwenden, nicht jede Brustwarze wird zensiert! Genau. Da gebe ich euch Recht. Denn – wie sollte es anders sein – es werden nur weibliche Brustwarzen zensiert.

Vor nicht allzu langer Zeit protestierte der Fotograf Olli Waldhauer gegen dieses Ungleichverhältnis und löste mit seinem Hashtag #nippelstatthetze eine viralen Lawine aus, die jedoch weder Facebook noch Instagram zum Umdenken bewegte. Braune Hetze darf weiterhin stehen bleiben, rosa Frauennippel nicht. Denn die stehen unter Generalverdacht. Weil Nippel gegen die Gemeinschaftsrichtlinien vieler sozialer Netzwerke verstoßen. Die da zum Beispiel wären, Instagram?

„Wir wissen, dass es sein kann, dass Personen Bilder von Nacktheit als künstlerische oder kreative Darstellungsform teilen möchten. Aus verschiedenen Gründen ist die Darstellung von Nacktheit auf Instagram jedoch nicht zulässig. Das gilt auch für Fotos, Videos und einige digital erstellten Inhalte, auf denen Geschlechtsverkehr, Genitalien und Nahaufnahmen nackter Gesäße zu sehen sind. Dazu zählen auch einige Fotos, auf denen Brustwarzen von Frauen zu sehen sind.“

Aus verschiedenen Gründen sind weibliche Brustwarzen also unzulässig? Welche Gründe sind das denn? Dazu finde ich nichts.

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Brach nicht das Internet, sorgte aber für ordentlich Aufregung: Das Bild von Fotograf Olli Waldhauer. Foto: Olli Waldhauer

Schlussendlich: Das Foto von Olli Waldhauer wurde gelöscht. Mehrere Male. Auch von meinem Account. Ebenso wurde mein damaliger Facebook-Account von den Betreibern mehrere Male für je 30 Tage gesperrt, weil ich nackte Frauen-Bilder eines japanischen Künstlers auf meiner Seite zeigte, und ebenso, weil ich ein Kunstprojekt unterstütze, das dicke, nackte Frauen in unterschiedlichsten Posen inszenierte.

Was ist an der weiblichen Brustwarze so anders als der männlichen? Prinzipiell erst einmal nichts, nur dass an der weiblichen Brustwarze noch eine Brust dran hängt. Und die weibliche Brust, wir ahnen es schon, ist ja anstößig, weil SOFORT alle Männer, auch die, die gar nicht auf Frauen stehen, an Sex denken. An Sex denken müssen. Und der arme Mann, der seine Triebe nicht unter Kontrolle hat, muss geschützt werden. Denn die weibliche Brust ist ein Inbegriff der Sünde und des Begehrens und der Wollust, und eine gute Frau hat sich zu bedecken. Weil, wie jeder weiß, der Mensch beim Anblick einer nackten Frauenbrust sofort mit dem Nebenmann oder der Nebenfrau zu kopulieren beginnt oder es wenigstens gerne würde. So und nicht anders.

Ironie aus.

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Sicherlich will ich nicht, dass ich jetzt überall Brustwarzen zu sehen bekomme. Sicherlich fände ich es unschön, wenn ich im Sommer schwitzende Männer- und Frauenbrüste im öffentlichen Personennahverkehr vor meiner Nase herumbaumeln hätte. Sicherlich möchte ich nicht, dass schreiende Frauen wild hopsend auf mich zugestürmt kommen und mir ihre Brustwarzen ins Gesicht drücken.

Was ich möchte, ist eine Gleichberechtigung. Eine Gleichstellung der männlichen und weiblichen Brustwarze. Beide werden gepostet, aber nur eine wird zensiert. Was für eine Heuchelei wird hier eigentlich inszeniert? Kriegsbilder, Hetzreden, Ausländerfeindlichkeiten werden sekündlich gepostet und keiner der Betreiber reagiert so schnell so umgehend darauf, wie er auf eine nackte, weibliche Brustwarze reagiert. Warum?

In Amerika startete die Aktivistin und Filmemacherin Lina Esco die Kampagne #freethenipple, und Recht hat sie damit. Es geht tatsächlich nicht darum, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Brüste in die Gegend zu halten, sondern diese Kampagne ist vielmehr ein Aufmerksam-Machen, darauf, dass der weibliche Körper immer noch unterdrückt wird und keine Frau frei über ihn verfügen kann, solange es noch solche überbordenden Moralvorstellungen gibt.

Mir nötigen sämtliche Aktivistinnen Respekt ab, wenn ich sehe, wie sie für ihre, meine, unser aller Recht kämpfen und schreien und ihren Körper vor der gaffenden, geifernden Journaille zur Schau stellen. Wie sie sich nackt und bloß von männlichen Polizisten wegzerren, begrapschen lassen.

Ich fordere, dass keine weibliche Brust mehr zensiert wird. Ich fordere Normalität im Umgang mit der weiblichen Brust. Ich fordere, dass die weibliche Brust wie die männliche Brust wahrgenommen wird. Als ein Teil des menschlichen Körpers. Und nicht als Lust- oder Sexobjekt.

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Fotos (3): Ika Fan

Noch mag das Bild nackter Frauenbrüste befremdlich erscheinen, aber irgendwann sollte es der Normalität weichen. Alle anderen mögen ihr Schandmaul mit Seife auswaschen, wenn sie im Netz wieder gegen das, was sie mit ihrem Kleingeist nicht begreifen können, hetzen und wüten.

#freethenipple

10 Comments

  1. Carl

    10. Juli 2016 at 14:38

    auch wenn der artikel etwas älter ist und meinen post kaum jemand liest . ich finde diese zensur auf facebook albern. ich würde es aber dämlich , alben und peinlich finden , wenn jede frau ihre titten auspackt. Genauso wie ich diese FKK Befürworter albern finde. Du kannst ja gerne nackt sein, aber nur im privaten rahmem . ich möchte nich als Bekleideter , nichs böses ahnend über den zeltplatz laufen und mir springt eine 60 jahre alte runzelschlange entgegen. Außerdem turnen die weiblichen brüste nun mal ( heteromänner und vieleicht auch lesben ) an , wenn sie gut sind Das soll es auch weiterhin und nur im bestimmten Rahmen. Der Zauber würde verfliegen , wenn ich ständig Titten sehen würde.

    • Mimi

      Mimi

      10. Juli 2016 at 17:07

      Und wen interessiert es bitte, welcher „Zauber“ dir eine harte Nudel zaubert? Der größte Mist, den ich seit Langem gelesen habe, mit Verlaub.

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  7. Alex

    22. Dezember 2015 at 15:47

    Liebe Mimi, liebe Käthe,
    wieder einmal ein rhetorisch brilliant verfasster Artikel, der mit gewohntem Charme, aber auch mit Tatsachen, die Kehrseite der „liberalen“ Gesellschaft aufzeigt. Man möchte meinen, die Prüderie des 19. Jahrhunderts hält stets Einzug in unserer aller Leben.
    Es ist schlichtweg paradox und unverhältnismäßig, wie Zensur in den (sozialen) Medien und im Alltag ausgeübt wird.
    Man könnte der Gesellschaft so oft den Spiegel vorhalten, ändern tut sich dennoch nicht viel.
    Ich könnte mich jedes Mal im Schwimmbad oder am Strand amüsieren, warum ich meine Männerbrust nicht bedecken muss oder ähnliches.
    Ja, der Mensch ist schon ein verkapptes Tier, nicht wahr ?!
    Als Biologiestudent wird mir jedes Mal auf’s Neue bewusst, wie schräg all das ist. Hetze um der Hetze willen, Hass und Diskriminierung wüten so schlimm wie lange nicht mehr.
    Der ethische Diskurs um weibliche Brüste und Brustwarzen ist nur eine der vielen Hürden, die es noch zu meistern gilt, veranschaulicht aber an einem einfachen Beispiel, dass eben nicht Gleichberechtigung und Integrität fundamentale Bausteine geworden sind.
    Wir schimpfen über die Rolle der Frau in den unterschiedlichsten Kulturen, sollten aber erstmal bei uns selbst anfangen.
    Wer weiß, vielleicht wird es irgendwann möglich sein, als Frau über den eigenen Körper zu bestimmen, ohne dass man sich verstecken muss.

    Liebe Grüße und ein frohes Weihnachtsfest !

  8. JudgeDark

    14. Dezember 2015 at 20:26

    Ja, es ist schon albern mit der Nippelzensur. Dem muss man auch nicht mehr viel zufügen, es ist alles gesagt.
    Hat sicher auch viel damit zu tun, dass die o. g. Formate aus den USA kommen und dort ist ja nunmal nichts schlimmer, als der weibliche Nippel, am schlimmsten noch inkl. Brust! >SCHOCK<
    Aber mit Waffen rumlaufen, ständig Gruppen von Schülern wegballern und sich als Adolf H. im Netz und TV darstellen … alles gut, aber bloß keine abscheulichen Nippel des Teufels, die jeden, ja jeden, der sie sieht sofort zur absoluten Geilheit nötigen.

  9. Mimi

    13. Dezember 2015 at 17:40

    Ganz richtig! Vor kurzem gabs auf meinem Blog im Zuge einer Blogparade zum Thema „Piercings“ einen Beitrag zum Nippelpiercing. Ich hab überlegt, wie ich das denn nun darstelle und nachdem mir krakelige Paint-Bildchen oder geklaute Bilder aus dem Netz (böse böse) nicht genug waren, hab ich eben kurzerhand meine eigenen Nippel auf den Blog gestellt. Why not? Wären es Männernippel würd ja auch keiner was sagen und wer das nun mal nicht sehen will sollte sich aus meinen vielen Beiträgen über Lippenstifte oder Nagellack eben einen andren aussuchen als den der über meine Nippelpiercings geht. Mal ganz abgesehen davon dass Nippel nunmal nicht eindeutig sexuell sind, aber ich glaube da muss ich dir/ euch eh nix mehr von erzählen. :D

    Free the nipple! Nippel statt Hetze! Für mehr Nippel im Netz und sowieso! <3

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