Fifty Shades of Grey – hey hey, ach ney!

By  |  15 Comments

„Werdet ihr euch eigentlich Fifty Shades of Grey ansehen? So als Porno-Bloggerinnen? Ist doch bestimmt was für euch, so ein geiles Filmchen, hihi!“ Mit Fragen und Vermutungen dieser Art wurden meine Käthe und ich in den letzten Tagen vor Filmstart der Wannabe-SM-Schmonzette Fifty Shades of Grey bombardiert. Aber nein, nein danke. Wir möchten das nicht. Dass wir trotzdem euch, unseren Moppeds, gegenüber eine gefühlte Verpflichtung haben, wenigstens ein paar warme Worte über die heiß erwartete „Literatur“-Verfilmung zu verlieren, war uns dennoch bewusst. Was also tun? Ganz klar: Eine schmerzfreie Mimi&Käthe Spezialagentin in den Schinken jagen, auf dass sie brav über die irren Wirren des Soft-Doms Grey und seiner Sub-Suse Anastasia Steele berichtet. Das Los fiel auf Autorin Artie Shaww, die sich zwar mit Händen und Füßen wehrte, bei Androhung einer „Fifty Shades of Grey“-Vorlesestunde aber schnell das Handtuch warf. In diesem Sinne… Fifty Shades of NEE!

Von Artie Shaww

Fifty Shades of Grey – der Film des Jahres. Der Film, auf den alle warten. Der Film, der bitterlich enttäuscht. Zumindest mich.

Seit kurz vor 14 Uhr sitzen drei Herren, 16 Damen und ich in einem dunklen Saal einer großen Kinokette. Kurz nach halb fünf werden wir alle den Saal verlassen, ich ein bisschen sauer.

Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Eine miese Literaturverfilmung – das ist passiert.

Um erotische „Literatur“ mainstreammäßig zu verfilmen, braucht es Menschen, die Visionen haben, die an ihre Grenzen gehen und bereit sind, sich auf neue Dinge einzulassen. Das ganze Filmteam sollte eins werden, um eine Verfilmung hinzulegen, die den Zuschauer umhaut und mitreißt.

Bei Fifty Shades of Grey haute mich nur die Keule der inszenierten Langeweile um. Christian Grey und Anastasia Steele werden von zwei glatten, hübschen Menschen dargestellt, die nicht mehr können, als sich gegenseitig tief in die – zugegebenermaßen – schönen Augen zu blicken. Dakota Johnson beißt sich so oft auf ihre volle, rosa Unterlippe, dass ich zwischenzeitlich den Gedanken an einen zwickenden Herpes verschwende. Und das einzig Harte, das ich im ganzen Film gesehen habe, sind Christian-Grey-Darsteller Jamie Dornans Bauchmuskeln. Doch ich greife vor.

Wenn Christian Grey seine Ana nicht gerade mit Pfauenfedern verwemst, trägt er sie auf Händen. Foto: Screenshot aus dem Trailer zu "Fifty Shades of Grey" / Universal Pictures

Wenn Christian Grey seine Ana nicht gerade mit Pfauenfedern verwemst, trägt er sie auf Händen. Foto: Screenshot aus dem Trailer zu „Fifty Shades of Grey“ / Universal Pictures

Nach einer halben Stunde Vorspiel, äh, Einleitung kommt es zum ersten Sex. Ana wird entjungfert. Im Film heißt es „einen Zustand bereinigen“. Das dauert alles in allem drei Minuten. Kein Penis. Dafür Dakota Johnsons Möpse.

Der erste Konflikt lässt nicht lange auf sich warten. Während Ana gerne eine „normale“ Beziehung führen möchte, kann Christian nur mit Peitschen und Schlägen seine Liebe zum Ausdruck bringen (zum Glück weiß man ja, dass Sex in einer Beziehung nicht alles ist).

Um 15.30 Uhr überreicht Christian Ana einen Vertrag, in dem festgehalten wird, zu was sich Anna (sub) verpflichtet, sollte sie sich auf Christian (dom) einlassen. Neben mir verschämtes Gekicher, als während der Vertragsverhandlung die Wörter „Analfisting“, „Analstöpsel“ und „Vaginalfisting“ fallen. Allerdings ist mir unklar, wie man bei der miesen, orangeroten Filmkulissenbeleuchtung überhaupt was lesen kann.

Ana behält sich vor, den Vertrag dann zu unterschreiben, wann sie es möchte.

Mit blankem Arsch auf des Doms kalter Ledercouch sitzen - häteste Folter! Foto: Screenshot aus dem Trailer zu "Fifty Shades of Grey" / Universal Pictures

Mit blankem Arsch auf des Doms kalter Ledercouch sitzen – häteste Folter! Foto: Screenshot aus dem Trailer zu „Fifty Shades of Grey“ / Universal Pictures

Um 15.50 Uhr kommt es zur zweiten Sexszene. Obwohl Ana den Vertrag noch nicht unterschrieben hat, lässt sie sich von Christian in sein „Spielzimmer“ führen, um sich dann fesseln und ein wenig verhauen zu lassen. Insgesamt jeweils einen Schlag auf ihren Arsch, ihren Mops, ihre Muschi. Danach trägt er sie, die sich ganz erschöpft an seine Brust schmiegt, ins Bett.

Ana flüstert: „Christian, das ist alles so verwirrend!“
Pause.
Er: „Ana!“
Pause.
Sie: „Was willst du?“
Pause.
Er: „Dich!“

Applaus für diesen und ähnliche Dialoge mit null Unterhaltungswert. Ich bin kurz davor, mich am Nachmittag an der Kinotheke zuzulöten. Ich will Penisse, Muschis, Sperma, Muschiwasser, Schweiß und Striemen. Wann geht das denn los?

Noch nicht. Erst wieder Beziehungsalarm im Hause Grey-Steele. Ana versteht Christian nicht, sie weiß nur, dass er ein dunkles Geheimnis vor ihr verbirgt. Er ist adoptiert und erzählt der schlafenden Ana einen Teil seiner traurigen Geschichte. Er ist der Sohn einer Cracknutte, die er mit vier Jahren verloren hat. Anscheinend stammen aus der Zeit auch die Narben der Zigarette, die auf seinem Oberkörper ausgedrückt worden sind.

Endlich: Um 16.10 Uhr nimmt der Film an Fahrt auf. Ana wird wieder ins „Spielzimmer“ geführt, angebunden und mit PFAUENFEDERN gestreichelt. Und dann ein bisschen in Slow-Motion ausgepeitscht und auch ein bisschen gebumst. Das heißt, dass der Pfau, aus dessen Pürzel die Federn gerissen worden sind, die meisten Schmerzen hatte. Dicht gefolgt von mir. Ich fass es nicht.

Nach folgendem Dialog glaube ich, dass ich mein Kinogeld zurückbekommen könnte:

Sie: „Du machst das ohne Grund?“
Er: „Wenn jemand Sadist ist, gibt es immer einen Grund!“
Sie: „Warum brauchst du das?“
Er: „Weil ich in 50 Facetten abgefuckt bin!“

Und ab hier, ganz ehrlich, hab ich den Faden verloren.

Sie will anscheinend so eine „normale“ Beziehung, er kann sie nur lieben, wenn er sie bestraft. Ana verlangt daher die härteste Bestrafung. Sechs Schläge mit dem Gürtel reichen ihr, um sich von dem scheuen, waidwunden Reh, das sie am Anfang versuchte darzustellen, in eine beleidigte Leberwurst zu verwandeln, die sich von dem üblen Popoklatscher Grey abwendet.

16.30 Uhr, Abspann läuft, ich auch. Nach draußen. Dort frage ich einen Kartenabreißer, ob das die ungeschnittene Version war.

Ja.

Und nun kaufe ich mir doch ein Bier.

Mein Fazit? Es hätte eine tragische Liebesgeschichte werden können, hätte man nicht alles falsch gemacht. Der ganze Film wirkt so glatt und poliert wie der Fußboden der Grey‘schen Wohnung. Die Schauspieler wären top, hätten sie einen Stein, eine Mauer oder eine Säule dargestellt. Unwissende können jetzt glauben, dass alle Sadisten irgendein Trauma haben und keine Liebe, so wie sie in der Gesellschaft üblich und anerkannt ist, empfinden können.

Ich werde heute Nacht von Dakota Johnsons Möpsen träumen. Oft genug gesehen habe ich sie ja.

Hier könnt ihr euch den Trailer zum Film reinziehen. Oder es lassen.

15 Comments

  1. Pingback: Was heißt hier „typisch Mädchen“ – Girls will be girls - Mimi&Käthe

  2. Pingback: Sonnenstein – wir verlosen den sexy Lesben-SM-Comic - Mimi&Käthe

  3. Pingback: „Na, und wann wirst DU endlich Mama"? #StopAsking! - Mimi&Käthe

  4. Pingback: Public Disgrace in Berlin oder: Mein schönstes Ferienerlebnis - Mimi&Käthe

  5. Pingback: Schlampe? No, Sir! Killerbabe? Yes, Ma'am! - Mimi&Käthe

  6. Pingback: Daran denken WIR beim Blowjob, Wunderweib.de! - Mimi&Käthe

  7. Pingback: Freshe Motte – wir verlosen 3 x 1 Butterfly Stimulator! - Mimi&Käthe

  8. Pingback: Whiplr – Die voll kinky Dating-App für Semi-SMer - Mimi&Käthe

  9. Pingback: Stoppt die Pornokultur? Pft! Macht'n Mund auf! - Mimi&Käthe

  10. JudgeDark

    18. Februar 2015 at 21:37

    Danke an Artie Shaww für den durchaus erheiternden Blick in den Kinosaal, der mich bei dem Film eh nicht zu Gesicht bekommen hätte. Das ist ein Film den die Welt nicht braucht. Ganz ehrlich, als Hardcoreverfilmung hätte das wohl besser funktioniert … aber das wäre eben nicht kinomassentauglich gewesen.

    Sei es drum … ! Albern finde ich ja, dass die Baumärkte ihre Bestände an Kabelbindern und Klebeband aufgestockt haben, weil man damit rechnet, dass diese nach dem Konsum des Films vermehrt nachgefragt werden … ja, wahrscheinlich um damit den Zugang zum Kino zu versperren, damit sich nicht alle Welt den Schrott antun muss.

    • Mimi

      Mimi

      18. Februar 2015 at 21:50

      amen, richter :)

      • JudgeDark

        19. Februar 2015 at 22:28

        Ich segne dich! ;)

      • Unwichtig

        25. Februar 2015 at 17:45

        Der Beitrag war zwar interessant, aber ich frage mich was du erwartet hast. Ich habe weder das Buch gelesen, noch mich viel mit Sm oder sonstigem auseinander gesetzt und bin ohne spezielle Erwartungen in den Film gegangen. Und er war zwar tatsächlich von schnulzigen Klischees her etwas überzogen aber an sich fand ich den Film in Ordnung und ich glaube das traut sich einfach keiner mehr zu sagen.
        So wie es sich anhört hast du erwartet dir einen Hardcore porno anzugucken, da du auf sperma, penisse, mischiwasser und sonstiges gewartet hast, aber dazu sollte man glaub ich eher in ein Erotik-kino gehen. Aber für die öffentlichen Kinos finde ich es eine sehr gute und angebrachte Darstellung und denke dass man in dieser Hinsicht nicht über den Film herziehen kann. Alle versuchen den Film mit irgendwelchen pornos zu vergleichen und sagen das wäre alles verharmlost und falsch dargestellt und was weiß ich was, aber ich glaube man macht sich jetzt keine Gedanken ob ein Sadist ein traumatisierter Mensch ist der keine Liebe empfinden kann.
        Ich finde der Film hatte schon eine angemessene Erotik für die Kinos und ich bin definitiv nicht verklemmt. Ich finde es albern dass alle möglichen Leute, wie zum Beispiel die Pornobranche, sämtliche Dominas und Menschen auf erotikblogs sich über den Film auslassen weil da irgendwas falsch dargestellt wäre und es nicht hart genug zu gegangen wäre. Man muss den Film wenn überhaupt mit Kinofilmen vergleichen und nicht mit der Pornowelt

        • Mimi

          Mimi

          26. Februar 2015 at 12:43

          niemand vergleicht diesen film mit pornos. wie denn auch? ein pornographischer film kommt in kein normales kino, insofern gab es diesbezüglich überhaupt keine erwartungshaltung. auch nicht von seiten unserer freundin artie. der wunsch nach penissen, sperma etc. war wohl ein mix aus ironie und verzweiflung, hervorgerufen durch üble langeweile beim schauen des films. und das ist doch völlig legitim. genauso, wie es doch absolut super ist, wenn dir der streifen gefallen hat.

          die autorin von „50 shades of grey“ hat sich mit ihrem schinken als fachfremde nun mal an ein thema gewagt, das nicht unheikel ist. echter sm ist eben nichts für leute, die sich nicht damit auskennen. und eine sm session kann ohne vorkenntnisse ordentlich in die hose gehen.

          zudem wird grey im buch als dom bezeichnet, hält aber keine der spielregeln ein, die authentische sm-beziehungen kennzeichnen. nach lektüre der bücher könnten unkundige also denken, ein dom sei jemand, der andere seelisch und körperlich missbraucht – ohne deren zustimmung, und dass das in sm-kreisen völlig akzeptiert wird. das ist einer der gründe, warum sich die sm-szene so echauffiert. weil’s unfug ist.

          warum sich alle über den film lustig machen, liegt daran, dass besagte autorin in ihren büchern gut auf die wannabe-sm-kacke gehauen hat und die kinoversion nicht mal den.. erm.. „härtegrad“ von „zärtliche Cousinen“ erreicht. oder anders gesagt: viel lärm um nichts.

          hätte man den streifen als nettes, semi-erotisches filmchen für die tv-prime-time verkauft, hätten ihn alle mindestens nett gefunden. aber das ding im vorfeld als fetten sm-blockbuster anzupreisen und dann mit pfauenfeder-kloppe zu kommen, ist peinlich. insofern – schieb es auf die irreführende pr.

  11. Frollein

    15. Februar 2015 at 18:47

    Klasse! Ich musste das Buch nicht lesen, weil ich eine Privatlesung auf Youtube fand – die etwa 45 Minuten auch nur deswegen unterhaltsam war, weil der Vorlesemensch irgendwann angefangen hat, das Ganze zu kommentieren – danach hab‘ ich ob der nervig oft widerholten Formulierung „penetrating gaze“ aufgegeben. Und jetzt muss ich nichtmal mehr den Film sehen!!! Ein großer Applaus an die Autorin, allein über die minutiösen Auflistung der Geschehnisse hab‘ ich mich scheckig gelacht.
    Der Plan war eigentlich, den Film in einer Runde literarisch verwöhnter Mädels mit mehreren Pullen Sekt auseinanderzunehmen, aber ich fürchte nach diesem Artikel, dass das garnicht mal so lustig, sondern eher traurig enden würde.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *