Bitte explodier doch: Zeitbombe Ex-Freundin

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Ein Text von Penny Calvet.

Mit einem Kapitel im Leben abzuschließen, kann einfach sein oder verdammt schmerzhaft. Geht es um Herzensangelegenheiten, trifft meistens Letzteres zu, denn wo Gefühle im Spiel sind, kocht es schnell über. Keine meiner Trennungen verlief ohne Tränenausbrüche, Wutanfälle und (unberechtigte) Anschuldigungen, verabschiedet man doch auch immer eine mögliche, zukünftige Version von sich selbst, die man sich zusammen mit dem Partner ausgemalt hat. Das tut weh. Plötzlich wieder alleine zu sein, ist hart. Was von einer gescheiterten Beziehung bleibt, ist im besten Fall ein Mensch, der den Status „Ex “ eingeräumt bekommt. Was aber passiert, wenn dieser Ex auch weiterhin ein Teil des Lebens bleibt? Was, wenn dein neuer Herzensmensch den oder die Ex nicht aufgeben will? Was, wenn SEINE Ex-Freundin deshalb plötzlich auch ein Teil DEINES Lebens wird?

Meine Ex-Freunde kann man in zwei Kategorien einteilen: Entweder wir verstehen uns oberflächlich noch gut, oder die Männer haben sich mit einem großen Knall und anschließender, unerträglicher Stille aus meinem Leben verabschiedet. Oberflächlich bedeutet, dass wir uns zum Geburtstag gratulieren und weiterhin bei Facebook befreundet sind. Oberflächlich bedeutet, dass ich in sentimentalen Momenten ihre Timeline durchforste und es mir einen Stich versetzt, wenn ich sie dort mit ihrer neuen Freundin vor einer spektakulären türkisblauen Meereskulisse stehen sehe. Kurzum, wir haben uns nicht mehr viel zu sagen, teilen schöne Erinnerungen miteinander, sind aber im Leben in verschiedene Richtungen gegangen. Was rückblickend die richtige Entscheidung war, auch, wenn ich mir das direkt nach der Trennung nie eingestehen wollte. Wenn wir uns sehen ist alles cool, keine bösen Worte, keine Tränensturzbäche mehr, sondern Freude darüber, dass es dem Anderen auch wieder gut geht. Mit einem meiner Ex-Freunde kann ich sogar mittlerweile über unsere ehemalige Beziehung flaxen, aber die liegt nun auch schon ein Jahrzehnt zurück, und wir sehen uns nur betrunken auf dem jährlichen Weinfest in meiner Heimat.

Die anderen bleiben für immer verschollen und spielen in meinem Leben keine Rolle mehr. Bei ihnen ging die Trennung von mir aus, und ihr verletzter Stolz kommt darüber wohl nicht so leicht hinweg.

Bei meinem derzeitigen Freund sieht die Sache anders aus. Seine Ex-Freundin ist nach der Trennung nie aus seinem Leben verschwunden. Sie ist immer präsent. Was mich zur Frage kommen lässt, wie viel Raum einem Ex-Partner eingeräumt werden kann und darf, ohne die neue Beziehung zu gefährden.

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Mein Freund pflegt zu seiner Ex-Freudin ein freundschaftliches, noch immer inniges Verhältnis. Die beiden sehen sich mindestens einmal pro Woche, haben weiterhin einen gemeinsamen Freundeskreis. Sie telefonieren häufig miteinander, und sie wendet sich mit ihren Problemen immer noch ganz selbstverständlich an ihn. Ich kannte das bisher nur aus Erzählungen von Freundinnen, die von der mysteriösen Ex-Freundin, der „Anderen“, berichteten, die einfach immer irgendwie da ist.

Auf der einen Seite freue ich mich, dass mein Freund diese, für ihn so wichtige Bezugsperson nicht komplett verloren hat. Auf der anderen Seite macht mir die Situation aber auch verdammt viel Angst, weil ich nicht weiß, wie ich mit seiner Beziehung zur Ex-Freundin umgehen soll. Anfangs bekam ich nur am Rande mit, dass sich die beiden sahen. Es kam vor, dass wir alle drei in einem Raum waren, was sich für jeden von uns unangenehm anfühlte.

Ich glaube, auch die Ex-Freundin überfordert unsere Dreier-Konstellation. Normalerweise sind wir beide, sie und ich, soziale Alphatiere, dann versagt uns aber beim Aufeinandertreffen jegliche Fähigkeit, ein noch so belangloses Gespräch miteinander zu führen.

Bin ich eifersüchtig auf ihre Präsenz in seinem Leben? Ich glaube schon, aber meine Angst überwiegt meine Eifersucht um Längen. Mein Freund und ich führen eine grundehrliche Beziehung, und ich bin mir sicher, er würde es mir sagen, wenn er noch romantische oder erotische Gefühle für seine Ex-Freundin hegt. Es geht mir viel mehr darum, dass ich ihren Einfluss, ihre Bedeutung in seinem Leben, nicht ganz einordnen kann. Schon oft habe ich mich gefragt, warum die beiden sich getrennt haben, wenn sie doch auf einer freundschaftlichen Ebene noch so tief verbunden sind. Kann sich mein Partner wirklich und vollständig auf mich als „die Neue“ einlassen, wenn er mit seiner vergangen Beziehung nie richtig abgeschlossen hat? Klar herrschte zwischen ihm und ihr kurz nach der Trennung ein paar Wochen Funkstille, aber reicht das aus, um ein paar Jahre Beziehung sacken zu lassen?

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Um blöde Situationen im Vorfeld auszuräumen, habe ich meinen Partner gebeten, mir vorher Bescheid zu sagen, wenn er sich mit seiner Ex-Freundin trifft, sei es nun alleine oder zusammen mit Freunden. Das hat nichts mit Kontrolle zu tun, ich möchte nur nicht, dass wir uns im Nachhinein streiten, weil ich Heimlichkeiten befürchte, oder so ein Treffen sonstwie zu komischen Missverständnissen führt. Nach einigem Hin und Her hat er meinen Punkt verstanden und hält sich an diese Regel. Erzählen, was die beiden machen, muss er nicht, darf aber gerne. Nachfragen stelle ich allerdings nicht, das ist ihre Sache.

Wie sich das Ganze langfristig entwickelt und ob das unangenehme Ziepen im Herz eines Tages verschwindet, das sich anschleicht, wenn ihr Name auf seinem Display aufblinkt oder sich die beiden treffen, weiß ich nicht. Ich hoffe es aber. Ich glaube, die Ex-Freundin meines Liebsten ist eine ziemlich tolle Person, und ginge es nach mir, würden wir uns irgendwann alle drei gut verstehen, auch wenn das vielleicht eine naive Hoffnung ist. Derzeit ist seine Ex für mich eine schlummernde Zeitbombe, die hoffentlich niemals explodiert, sondern sich als Attrappe entpuppt.

Fotos: Stefano Bosso
Model: Vic Voltage

4 Comments

  1. JudgeDark

    17. Dezember 2016 at 13:16

    Jeder muss das handhaben, wie er es für richtig hält. Spielt auch sicher mir rein, wie lange die beiden schon getrennt sind, ist es frisch oder schon lange her. Und es hängt natürlich ganz elementar von den beteiligten Personen und deren Charakter ab.
    Für mich wäre es ehrlich gesagt ein Problem und ich würde es einer neuen Partnerin meinerseits nicht mehr antun wollen. Ich hab diese Situation mal gehabt, war nur belastend für die Partnerschaft, meine Freundin und am Ende natürlich auch für mich. Es herrscht immer irgendwo Misstrauen und es ist verdammt schwer das Ding emotional zu steuern.
    Ich für meinen Teil habe entschieden, dass das nicht mehr vorkommen wird, das Ding ist zu belastend und anstrengend.
    Aber wer weiß schon, wie er sich im Fall der Fälle wirklich verhält!

  2. zudiroderzubier

    17. Dezember 2016 at 12:45

    Schöner Artikel, ich kenne das von beiden bzw. zwei Seiten. Die eine: kein Problem. Die andere: unerträglich.

    Ich fange mit der unerträglichen an. Mein Freund, ich hab ihn kennengelernt ein halbes Jahr nachdem er sich von seiner Freundin getrennt hat. Selbst als noch nichts lief, hat er mir erzählt, wie die Trennung verlaufen ist und dass es die richtige Entscheidung war, er sich dessen auch ganz sicher ist, er aber noch mit ihr befreundet ist. Fand ich nicht schlimm, alles gut. Es stellte sich aber raus, dass sie für ihn eine extrem wichtige Bezugsperson war und er vor ihr nicht zu mir stehen konnte, weil er wusste, dass es sie verletzten würde. Sie hat über mich hergezogen, versucht mich schlecht zu machen, sich geweigert mich kennenzulernen und er hat trotzdem nicht den Kontakt abgebrochen. Es war für mich zu jedem Zeitpunkt klar, dass er keine romantischen Gefühle für sie hat und mich wirklich liebt, aber das „verleugnet werden“ war das verletzende daran. Das ging so lange, bis sie einen neuen Macker hatte. Dumme Kuh. Und der Typ: mittlerweile auch mein Exfreund.

    Die andere Seite: Ich selber bin sehr gut mit meiner Exfreundin befreundet. Wir sind 100% auf einer Wellenlänge, verstehen uns super und sie ist einfach ein toller Mensch. Die Trennung war emotional auch sehr anstrengend, aber wir hatten einige Monate keinen Kontakt und dann durch Zufall wieder aufgebaut. Seit 4 Jahren sind wir nun wirklich gut befreundet und sowohl dem besagten Exfreund oben als auch meinem neuen Freund hat es nie was ausgemacht. Ich glaube das liegt daran, dass zwischen uns halt VÖLLIG klar ist, dass da nie wieder was läuft, ich telefoniere in Gegenwart meines Freundes mit ihr, von Anfang an war es kein Problem für beide aufeinanderzutreffen, eben weil von Anfang an klar war: wir haben uns einfach nur lieb. Mehr nicht. Und so find ich das schön und hätte auch umgekehrt kein Problem damit, wenn mein Freund „so eine“ Exfreundin hätte.

    P.S.: Das ist mein erster Kommentar, also: Super Blog, einfach fantastisch :)

  3. 64er

    17. Dezember 2016 at 11:00

    Deine Sorge ob der Vertrautheit der beiden kann ich gut verstehen. Die Art und Weise wie Du mit ihm in dieser schwierigen Situation umgehst, ist aus meiner Sicht super. Ich glaube der nächste Schritt den ihr gehen solltet ist Euch auch zu dritt wohl zu fühlen. Du und seine Ex brauchen nicht Freundinnen zu werden, allerdings sollte es gerade für seine Ex normal sein, wenn Du dabei bist.
    Liebe Grüße

  4. Rheintochter Esme

    16. Dezember 2016 at 20:23

    Oha, das ist in der Tat tricky… Ich finde, Ihr löst das ganz geschickt mit der absoluten Ehrlichkeit einander gegenüber und Deinem klaren Nicht-Nachfragen. Schätze, ich würde das ebenso halten, wenn ich in Deiner Situation wäre.
    Das nagende Gefühl verschwindet hoffentlich von alleine wieder – immerhin hat er sich ja für Dich als Partnerin entschieden. Das muss „nur“ noch Deinem Herzen ganz klar werden, nehme ich an (ich weiß, das ist leichter gesagt als getan).

    Liebe vom Rhein! <3

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