Bauch oder Kopf? Von der Kunst, Entscheidungen zu treffen

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Ein Text von Curly Sue Glander.

Selten gab es eine Zeit, in der wir so viel entscheiden konnten wie heute. Tausend mögliche Ausbildungsoptionen, wohnen, wo auch immer du willst, leben, wie es dir gefällt und die Freiheit, fast alles tun zu können.

Doch fällt mir auf, dass es vielen in dieser Zeit des Nichts-Unmöglichen schwer fällt, Entscheidungen zu treffen. Was geschieht, wenn du dich davor, vor diesen anstehenden, unumgänglichen Fragen drückst? Wie viele Entscheidungen kannst du an einem Tag überhaupt treffen?

Gedanken über die Kunst der richtigen Wahl, Fluch und Segen der neugewonnen, kompliziert gewordenen Freiheit.

Es präsentiert sich uns wie das größte Glück, in dieser mittlerweile offenen Welt unendlich viele Freiheiten genießen zu dürfen. Wir sehen die vielen Möglichkeiten, die uns an unsere Ziele bringen sollen. Doch was ist dieses sagenumwobene Ziel, das wir uns so sehr wünschen? Wohin möchtest du? Was möchtest du erleben, und worauf willst du stolz sein? Wer soll an deiner Seite sein? Und wie sieht dieser Weg aus, der perfekt zu dir passt?

Du entscheidest.

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Es geht in diesem Text um die Entscheidungen, die du mit dem Herzen triffst. Die schwierigsten KriegerInnen-Fragen, auf die du keinen Rat weißt. Weil Herz und Kopf um die Antwort kämpfen.

Meine letzte bedeutende Entscheidung hatte mit gefühlschaotischen Turbulenzen zu tun. Es ging um die Frage, ob ich weiterhin mit meiner großen Liebe zusammen wohnen bleibe oder allein in die Nachbarstadt ziehe, in der ich studiere. Die Situation war kompliziert. Gründe für den Umzug gab es einige: Zu wenig Platz, weil wir beide im Home-Office arbeiten, keine Bahnhofsnähe und für mich eine weite Anreise zu meiner Uni. Die Suche nach einer geeigneten Wohnung, die für ihn und mich gepasst hätte, erwies sich selbst nach einem Jahr als vergebens. Und nun? Weggehen? Unser Zusammenleben aufgeben für einen kürzeren Anfahrtsweg?

Anstatt mich der Situation zu stellen, verbrachte ich meine Zeit damit, zu warten. Darauf, dass jemand die Entscheidung für mich traf. Auf ein Zeichen. Darauf, dass mir die Zeit, die verging, die Entscheidung abnehmen würde. Doch es geschah nichts, und ich kam zu der Erkenntnis, dass niemand – weder die Zeit, weder das Schicksal, noch Freunde oder Familie – mir den schmerzhaften Schritt abnehmen würden.

Was sollte ich also tun? Irgendwie fühlte sich nichts wirklich gut und richtig an.

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Ja, manchmal sind alle Optionen, die uns zu Verfügung stehen, scheiße. Ja, es erscheint manchmal unmöglich, die richtige Wahl zu treffen und allem gerecht zu werden. Doch es ist machbar. Wir sollten keine Angst mehr haben, Entscheidungen zu treffen. Angst lähmt und löst unsere Probleme nicht.

Und plötzlich, eines Morgens, war die Entscheidung gefallen: Ich musste ausziehen, näher an die Uni, und mein Partner brauchte eine Wohnung in unserer Heimatstadt. Natürlich wollte ich mit ihm zusammen bleiben, ich liebe ihn doch. Wegzuziehen, noch dazu in eine andere Stadt, bedeutete eine große Herausforderung – für mich, ihn, unsere Beziehung. Doch wir würden uns dem stellen, das wusste ich.

Selbst, wenn du jetzt noch nicht weißt, was gut für dich sein wird und welcher der richtige Weg ist, wirst du eine Entscheidung treffen müssen. Das Warten auf Klarheit macht kaputt, jedenfalls hat es mich in meiner Situation belastet.

Das Gute an falsch getroffenen Entscheidungen, ist, dass du aus ihnen lernst: Wie du es beim nächsten Mal anders machen kannst. Mutiger zu sein. Mehr auf dein Herz zu hören. Oder doch auf deinen Verstand. Etwas anderes, Passendes zu wählen, das dich fordert, aber glücklich macht.

Fotos: Josi

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  1. JudgeDark

    17. März 2018 at 13:29

    Mein Vater hat mir immer gesagt: du musst im Leben Entscheidungen treffen, da kommst du nicht dran vorbei; wichtig ist am Ende zu den Entscheidungen zu stehen, egal ob sie richtig waren oder falsch!

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