Endlich wieder Erdbeerwoche!

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Die Spargel- und Erdbeerzeit ist in vollem Gange, hurra! Was liegt da näher, als beide Themen fein und lecker miteinander zu veflechten? Also hat mein Mädchen Penny Calvet nur für euch die schönsten Erdbeer-Spargel-Rezepte der Saison zusammengestellt, uh lala! Ach verdammt, just kidding. Penny Calvet schreibt heute über eins der letzten Tabuthemen unserer Zeit: Sex und weibliche Geilheit während der Menstruation. Oder anders gesagt: Was ist so schlimm daran, sich einen Spargel ins Untenrum zu wünschen, wenn die Muschi Erdbeerwoche hat?

Von Penny Calvet

Heutzutage darf man über fast alles reden. Frauen sprechen über ihre Sexualität, ihre Wünsche, Vorlieben und Tabus im Bett, Männer dürfen Softies sein, über ihre intimsten Gefühle quatschen und in aller Öffentlichkeit Tränchen verdrücken. Auch Pornos zu schauen, wird schon lange nicht mehr mit einer tiefergehenden psychologischen Störung gleichgesetzt, sondern gehört zum guten Ton. Überhaupt wird über sexuelle Phantasien mehr oder weniger offen diskutiert. Über was wir dagegen nicht sprechen, ist unsere Menstruation. Viele finden die Thematik heikel, da ja schrecklich unappetitlich und so. Vielleicht gibt es deshalb so viele beschönigende Namen für diese Zeit, in der wir Frauen auf der roten Welle surfen und zu unleidigen Monstern werden, die nur mit viel Eis und Zuneigung zu bändigen sind. Mein Lieblingsbegriff lautet Erdbeerwoche.

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Anatomisch ist die Sache schnell erklärt. Unter dem Begriff Erdbeerwoche aka Periode, versteht man die monatliche Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut, bei der circa 50 bis 100 Milliliter Blut zusammen mit der Schleimhaut ausgeschieden werden. In der Regel dauert unsere Rote-Welle-Surfeinheit drei bis fünf Tage, unsere erste Surfstunde nehmen wir statistisch gesehen mit 13 Jahren. Danach sind wir voll im Game, bis uns die gefürchteten Wechseljahre einholen und unserem monatlichen Flow ein Ende setzen.

Viel schlimmer als der Blutverlust, oft gepaart mit Unterleibsschmerzen, sind aber die Stimmungsschwankungen, die uns Frauen während der Erdbeerwoche regelmäßig einholen. Mich überkommt fast jeden Monat der Weltschmerz, und ich habe Lust, mich den ganzen Tag in meinem Bett zu verkriechen und das Leben zu betrauern. Weder gutes Essen noch trashige Serien können mich dann aufheitern, und gutes Wetter wird zu meinem größten Feind, den ich radikal hinter meine Vorhänge verbanne. Treten Regelschmerzen und Co. schon vor der eigentlichen Periode ein und verschwinden mit deren Eintreten, nennt man das PMS – prämenstruelles Syndrom, um euch noch ein bisschen Angeberwissen mit auf den Weg zu geben.

Bis hierhin ist eigentlich noch alles okay. Doch kommen wir zu einem Thema, das viele die Augen verdrehen lässt – Sex während der Tage.

Die Sache mit der Menstruation klingt auf den ersten Blick wie ein absoluter Stimmungskiller im Bett und bedeutet für viele eine Woche Flaute in der Kiste. Ich lege an dieser Stelle mal ein Geständnis ab, das einige von euch vielleicht verstören wird: Ich stehe auf Sex, wenn ich meine Tage habe. Ich bin richtig horny und laufe als lechzendes Monster durch die Gegend, während sich mein Uterus von seinen Altlasten befreit. Denn vor einiger Zeit habe ich festgestellt, dass es für mich gegen dieses leicht ziehende Gefühl in meinem Unterleib und meine Stimmungstiefs kein besseres Heilmittel gibt als Sex.

Ich erkläre jetzt mal, wie die Sache abläuft. Zuerst einmal solltet ihr euch von der Idee verabschieden, dass euer Bett nach dem Periodenstelldichein aussieht, als hättet ihr jemanden abgemetzelt. Dem ist nicht so. Frauen bluten während ihrer Erdbeerwoche nicht aus, als lägen sie auf dem OP-Tisch von Grey’s Anatomy. Unsere Blutung hält sich schwer in Grenzen, die tägliche Menge hat bequem Platz in einem Schnapsglas. Legt einfach ein Handtuch unter, wenn euch eure Lacken heilig sind, oder wascht sie im Anschluss heiß. Die Flecken sind bei mir bisher immer rückstandslos verschwunden. Wenn ihr erst kurz vor knapp das Tampon entfernt, kann sich gar keine große Blutmenge angesammelt haben, die sich auf die Lacken ergießt. Wenn es euch zu umständlich ist, das Tampon vor dem Akt zu entsorgen, könnt ihr so genannte Soft Tampons verwenden, die ihr online oder in Sexshops bekommt. Soft Tampons sind kleine Schwämmchen, die während des Aktes im Körper verbleiben, weder für sie noch ihn spürbar sind und die übrigens gerne von Frauen aus der Sex- oder Pornoindustrie verwendet werden. Davon, das Tampon nicht zu entfernen, solltet ihr absehen. Beim Sex kann es weit, weiiit in euch hineingestoßen werden und dort Schmerzen verursachen. Vom anschließenden Suchen, Finden und Herauspulen ganz zu schweigen.

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Ob ihr Kondome verwendet, bleibt jedem selbst überlassen, zu empfehlen ist es aber, da durch das Blut Krankheitserreger noch besser und schneller übertragen werden können. Selbstverständlich solltet ihr, wenn ihr keinen festen, nachweislich gesunden Partner habt, immer Gummis verwenden, Erdbeerwoche hin oder her.

Während meiner Periode verzichte ich persönlich darauf, geleckt zu werden, aber die Finger kann sich mein Liebster schon mal ein bisschen dreckig machen, schließlich gibt es ja eine Erfindung namens Seife. Ob ihr darauf steht oder nicht, ob Fingern euch genügt oder euch ein Lickjob während der Tage glücklich macht, müsst ihr herausfinden, meine Damen, und es mutig äußern. Und es natürlich akzeptieren, sollte euer Liebster sich mit dem Gedanken nicht anfreunden können.

Um eine zweite Meinung zum Thema Sex und Erdbeerwoche einzuholen, habe ich Luca als Vertreter der Männerwelt um ein Statement gebeten. Luca und ich teilen uns seit einiger Zeit regelmäßig ein Bett und haben beide ein sehr offenes Verhältnis zu unserer Sexualität. Der Mann jedenfalls hat kein Problem damit, mit mir während meiner Tage zu schlafen, weil sein Schwanz danach eben nicht aussieht wie eine Requisite aus Happy Tree Friends, sondern sich nur hier und da ein paar kleine Blutkrümel gesammelt haben. Die lassen sich aber leicht abwaschen, versichert mir Luca.

Warum wir beide Sex während meiner Tage sogar ziemlich toll finden, liegt daran, dass mein Blut als zusätzlicher Schmierstoff funktioniert. Luca findet, er spüre dadurch mehr, und auch ich habe das Gefühl, jede seiner Bewegungen noch klarer zu fühlen. Es ist ein bisschen so, als würden wir in minimaler Slowmotion übereinander herfallen und dem Fühlen maximalen Raum geben. Sex während meiner Tage hat für Luca auch etwas Animalisches, nicht zuletzt, weil es nach Blut riecht und nicht unbedingt nach dem typischen Sexduft. Für Luca und mich eine gute Abwechslung, die wir mögen.

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Ich möchte nicht jeden Monat für drei bis fünf Tage auf Sex verzichten müssen, nur, weil ich meine Regel habe. Und das ungeachtet der allgemeinen Meinung, dass Sex während der Periode eklig und schmutzig sei. Ich glaube, diese Angst und Abneigung basiert unter anderem auf falschen Vorstellungen in den Köpfen vieler Männer, Schreckensvisionen, in denen Tampons und Binden literweise Blut in Schach halten müssen, das nur so aus dem weiblichen Unterleib heraussprudelt. Aber auch viele Frauen können sich Sex während der Tage nicht annähernd vorstellen. Uns Frauen wird von klein auf beigebracht wird, dass unsere Regelblutungen etwas Dreckiges, Unreines sind, über das wir besser nicht reden. Und so kommt es, dass viele von uns voller Scham sind, wenn die Sprache auf die Erdbeerwoche kommt. Wenn wir es schaffen, uns von diesen Vorstellungen zu verabschieden, unsere Körper und unsere Geilheit während dieser Zeit zu akzeptieren und darüber mit unseren Partnern zu sprechen, kann Sex während der Tage ein großartiger Ritt auf einer sehr intimen, roten Welle werden, der zumindest mir bisher immer viel Freude bereitet hat. Traut euch. Wir sind alle gut so, wie wir sind. Ein Cheers auf die Erdbeerwoche!

Fotos (3): Ika Fan <3
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9 Comments

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  5. Rob

    22. April 2016 at 20:58

    Interessantes Thema und ich muss sagen, dass ich dachte, wir wären da schon weiter (gerade aus der Perspektive des Mannes).
    Ich selbst mag Sex auch während der Tage, habe auch die Erfahrung gemacht, dass es den meisten Frauen auch nichts ausmacht/sie es sogar anregend finden, sobald sie merken, dass man als Kerl da kein Problem mit hat (hat eine Frau währenddessen körperliche Beschwerden, ist das ne andere Nummer).
    Aber diese Stigmatisierung finde ich mehr als ätzend. Ich habe mal in einem sehr schlauen Buch (Das geheime Wissen der Frauen) nachgelesen, dass in den Ur-Völkern die Menstruation heilig war und als positives Zeichen der Fruchtbarkeit galt. Dann…..naja, dass kamen die patriachalen Strukturen und besonders ab dem Judentum/Christentum wurde die Frau mit allem drum und dran zur personifizierten Sünde erklärt. Und ihre Monatsblutung galt als unrein, weswegen z.B. orthodoxe Juden ihre Frauen in dieser Zeit immer noch nicht anfassen und sie nicht auf normalen Stühlen sitzen dürfen, etc.

    Nun, ich schweife etwas ab, aber ich glaube schon, dass die letzten 2000 Jahre hier ihre Spuren hinterlassen haben und nicht zu knapp. Und unbewusst steckt das noch sehr Vielen in den Knochen. Menstruation ist bäh und gehört versteckt, bis sie wieder endet.
    Für mich jedenfalls gibt es da keinerlei Scham. Ich mache mit einer Frau nichts anderes während ihrer Tage als sonst. Auch Lecken und co. stört mich nicht im geringsten, kann sogar antörnend sein (nein, ich habe keinen Blutfetisch o.ä. :)). Ich finde nur, wenn ich bereit bin, die Frau sonst zu lecken und ihre Körpersäfte mit meinen zu „verbinden“, sollte das Blut auch nicht stören. Mich jedenfalls nicht.

  6. Antje

    22. April 2016 at 19:34

    Hey. Als ich jünger war, fand ich Sex wärend meiner Periode auch nicht schlimm, im Gegenteil…so lange der Kerl mitgespielt hat^^
    Aber jetzt, nach 2 Kindern, fühle ich mich grade wärend meiner Tage so „weit“, was durch die zusätzliche Schmierung noch gesteigert wird…. da geht es nur noch von hinten, damit ich mich so eng wie möglich machen kann^^ aber seien wir ehrlich… meistens verzichten wir auf Menstruationssex und warten einfach diese 5 Tage…noch ist keiner davon gestorben ;-)

    • Mimi

      Mimi

      23. April 2016 at 19:15

      Sobald frau da hin kommt – dass sie aus freien Stücken auf Sex verzichtet, finde ich es okay. Solange Frauen aber auf Sex während ihrer Tage verzichten, weil sie das Gefühl haben, dreckig zu sein, finde ich es bedenklich. Wenn du da deine Lösung gefunden hast.. halleluja, das ist gut :)

  7. JudgeDark

    22. April 2016 at 18:54

    Als Mann kann ich das natürlich nur aus dieser Sicht schildern, worum ich übrigens ganz froh bin; ich rasier mich lieber täglich im Gesicht als 1x im Monat mit diesem Thema zu tun zu haben. Ich jedenfalls habe kein Problem mit Sex zu dieser Zeit, nur eben mit ein paar Einschränkungen: Finger rein nicht so gerne, Oral keine Chance. Vom Gefühl kann ich mich Luca anschließen, es ist irgendwie anders.
    Ich kann aber auch jeden verstehen, der damit ein Problem hat … und ich kenne auch Frauen, die Bluten wirklich wie ein „abgestochenes Schwein“, zumindest zu Beginn der Menses … und das kann dann wirklich wie „Kettensägenmassager“ ausgehen. Aber der Handtuchtip ist nicht verkehrt oder man greift gleich zur Latexunterlage! ;)

    • Mimi

      Mimi

      22. April 2016 at 19:39

      Guter Mann, du! :) Aber Latex unterm Arsch wäre mir ja zu kalt :D

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