SMS von gestern Nacht oder: Nie wieder Drailing!

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Ein Text von Nova Niedermeyer.

Freitagnacht, kurz vor Zwölf, zweiter Martini. Du sitzt mit Bekannten im Pub. Der Streit mit deiner besten Freundin geht dir nicht aus dem Kopf. Genauso wenig wie der Wunsch nach einer zweiten Chance bei deinem Ex-Freund. Du siehst aufs Smartphone, denkst an nichts anderes. Aus den Gesprächen mit den anderen hast du dich längst ausgeklinkt.

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Dritter Martini. Du schreibst dem Ex, fragst, ob er noch wach ist. Keine Antwort. Du siehst, dass deine beste Freundin online ist und beginnst, dich darüber zu ärgern. Warum ruft sie nicht an? Sie sollte hier sein, um dich davon abzuhalten, dich bei IHM zu melden …

Vierter Martini. Du siehst verschwommen, möchtest der Welt deine Meinung geigen und beginnst, deiner Freundin zu schreiben. Schuldzuweisungen. Du lässt alles raus und schreibst dann doch im nächsten Moment, wie lieb du sie hast. Gefühlsduselei, du weißt selbst nicht, was du tust. Schade nur, dass sie davon nichts lesen kann. Du vertippst dich bei jedem Wort. Autorkorrektur macht’s nicht besser. Shit. Dann der Ex. Er hat inzwischen geantwortet, und das siehst du als Anlass, ihn zu fragen, ob du rumkommen solltest. Dann ein wenig Liebesgeplänkel, bis du schließlich so betrunken bist, dass du aufhörst, zu schreiben.

Am nächsten Morgen siehst du, inzwischen nüchtern und verkatert, erneut auf das Smartphone und zuckst vor Schreck zusammen. What’s going on with me?

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Drailing – ‚‚Drunken Mailing‘‘ – meint betrunkenes SMS- oder E-Mail Schreiben, vorzugsweise nachts, wenn Hemmungen fallen und der Pegel steigt. Es gibt verschiedene Arten von „Drailings“: von Schuldzuweisungen und Liebesgeständnissen bis hin zum „Sexting“. Oft nicht gewollt und dennoch direkt.

SMS, die falsch geschrieben sind und die man am nüchternen, nächsten Tag bitter bereut, sind wenig sexy. Drailing beginnt harmlos und unschuldig: Du gehst aus, deine Gedanken begleiten dich, aber das verdrängst du gekonnt. Du bestellst einen benebelnden Drink nach dem anderen, und ehe du dich versiehst, sitzt du auf dein Smartphone starrend in der Ecke und tippst Drailing-Mailings. Der Alkoholpegel steigt, die Hemmschwelle sinkt, und die Nachrichten werden gewagter. Manchmal auch peinlicher. Sturzbetrunkene Worte fallen. Suff-SMS schreiben geht einfach und endet meist in einem mindestens mittelmäßigen Desaster.

Dann ist da die Reue am Morgen und das Was-hab-ich-gestern-nur-gemacht-Gefühl. Die Nachrichten von gestern Nacht zu lesen, ist oft peinlich und unschön, kann aber auch seinen Sinn erfüllen. Zum einen schreibst du „in vino veritas“ (lat.:„Im Wein liegt die Wahrheit“), was so viel bedeutet, wie: Du bist angeduselt und schreibst deshalb genau jetzt die Wahrheit. Dem Ex nach einer zweiten Chance zu fragen, kann bedeuten, dass da noch was ist. Der besten Freundin zu tippern, wie doof die Aktion vom Nachmittag war, zeigt dir, wie sehr es dich bewegt.

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Drailing ist wie ein schriftlicher Verlauf deiner Gefühle. Vielleicht gehst du so offener mit deinen Emotionen um, erkennst, was eigentlich los war und setzt dich mit diesen Unannehmlichkeiten auseinander. Außerdem siehst du, dass es vergänglich ist. Du lernst, darüber zu lachen. Drailing kann ja mal passieren. Und dann darf man da auch mal selbst drüber lachen, oder?

Nun kannst du versuchen, es dir abzugewöhnen. Das funktioniert aber nicht immer und sofort mit Erfolg. Oder du akzeptierst es. Sieh das Positive, und setz ein Lächeln auf, wenn du daran denkst. Es ist nicht schlimm, wenn’s geschieht. Wenn es dir zu unangenehm ist, hilft ein (er)klärendes Gespräch – sobald du wieder nüchtern bist.

Wer sich dennoch schützen möchte: Mittlerweile gibt es Apps, die vorm Suff-Schreiben schützen, indem sie bestimmte Nummern erst dann zum Antexten freigeben, wenn man einen Nüchternheits-Test bestanden hat. Zum Beispiel DrunkBlocker für Android oder Drunk Dial NO! fürs iPhone. Oder du machst es auf die gute alte Art und setzt auf die beste Freundin, die nicht nur die Haare beim Spucken zurückhält, sondern auch das Handy einzieht, falls es ein paar Drinks mehr werden.

Fotos: Sarahlikesprettygirls

1 Comment

  1. Ulli

    25. August 2017 at 21:15

    Haha irgendwie kenn ich das auch

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