Die große Liebe: Kommt ’se heut nicht, kommt ’se morgen

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Text von Penny Calvet

„Wann erlebe ich endlich die große Liebe?“, fragte mich neulich meine kleine, zuckersüße Schwester, die wenige Tage zuvor mit zarten 15 Jahren von ihrem ersten richtigen Freund sitzen gelassen wurde. „Richtig“ bedeutet in diesem Fall, dass der Auserwählte unseren Eltern ganz offiziell als Freund vorgestellt wurde, regelmäßig zu Besuch kam und die beiden dann für Stunden im Zimmer meiner Schwester verschwanden. Bis er irgendwann anfing, sich rar zu machen und meine Schwester nach einiger Zeit der Funkstille per WhatsApp abservierte. Die Gefühle hätten nicht ausgereicht, schrieb er ihr, ganz der Fachmann in Sachen Liebe, aber sie sei ein tolles Mädchen, das bestimmt bald wieder sein Herz verlieren würde. Meine kleine Schwester vergrub sich daraufhin im Bett und verbrachte Stunden damit, Pärchenselfies von ihrem Handy zu löschen und der Welt per Facebook und Instagram von der Misere zu berichten. Ich als große Schwester erfuhr von dem Drama in einer herzzerreißenden Nachricht und rief sofort pflichtbewusst an, nur um die Phrase „Ach, weißt du, die große Liebe lässt einfach noch auf sich warten“, als Allerweltsheilmittel vom Stapel zu lassen.

Die große Liebe – das ist einer dieser abgedroschenen Begriffe, die man zig Mal in seinem Leben von sich gibt, ohne darüber nachzudenken, was man da eigentlich sagt. Die große Liebe, da denke ich sofort an kitschige Filmszenen, an zwei Menschen, die sich kennen lernen und dabei eine Art emotionalen Urknall in ihrem Inneren erleben, der ihre Leben in den Grundfesten erschüttert. Zur großen Liebe gehört, folgt man der stereotypen Darstellung, immer auch eine gehörige Portion Herzschmerz und Überwindung. Prinzessin verliebt sich in Frosch, reicher Schönling verliert sein Herz an kleine Reportermaus – ihr wisst schon, die große Liebe sprengt zumindest in Hollywood regelmäßig (Klischee)-Grenzen und endet erst, wenn der Tod die unsterblich Verliebten wieder scheidet.

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Ich persönlich glaube, die große Liebe braucht kein extraordinäres Szenario, um groß zu sein, sondern erscheint uns so wertvoll, weil sie uns als Mensch komplettiert. Wenn wir Glück haben, finden wir jemanden, der uns in den Dingen unterstützt, die wir nicht gut können, der da ist, wenn man gerade mal nicht weiter weiß und nicht alleine sein kann und der einem glaubhaft das Gefühl vermittelt, dass alles gut werden kann, irgendwann.

Was ich aber mit Sicherheit weiß, ist, dass es nicht nur die eine große Liebe gibt, wie uns Walt Disney das immer so schön vormachen wollte, wie es die Generation meiner Großeltern geglaubt hat und woran die Kirche immer noch festhält. An dieser Stelle muss ich mich wohl bei meiner kleinen Schwester entschuldigen und meinen Satz wie folgt revidieren: „Liebstes Schwesterherz, die großen Lieben lassen zwar noch auf sich warten, aber sie kommen, ganz bestimmt.“

Wenn ich darüber nachdenke, was für ein Mensch ich vor acht Jahren war, als ich mich zum ersten Mal so richtig Hals über Kopf auf einem Festival verliebte, beim Flunkyballspielen übrigens, in einen Typen, der eigentlich nur kurz stehen bleiben wollte und mit dem ich zwei wunderbare Jahre verbrachte, dann habe ich mich definitiv nicht nur äußerlich ziemlich verändert. Vor acht Jahren war mein Lebensentwurf ein anderer, heute weiß ich, dass man nicht alles sofort erledigen muss, dass Dinge warten können, dass Freunde wichtiger sind als ein toll bezahlter 60-Stunden-Job und dass man sich auch mal eine Auszeit gönnen darf. Heute würde ich mich vielleicht nicht mehr Hals über Kopf in den Flunkyballtypen verlieben, aber damals war genau er mein Held und Retter, und das war richtig so. Und auch all die Typen, die nach ihm kamen und länger als eine Nacht blieben, an die ich mein Herz verloren habe und mit denen ich mir eine nahe und ferne Zukunft vorstellen konnte, kamen zur richtigen Zeit und haben mein Leben um großartige Momente bereichert und mich wichtige Dinge gelehrt.

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An die große Liebe, pardon, die großen Lieben zu glauben, erscheint manchem bestimmt naiv, aber ich möchte immer alles für die Liebe geben, auch, wenn sich Umstände und Lebensentwürfe ändern und damit Platz gemacht wird für eine neue große Liebe. Die große Liebe bedeutet für mich, ein Stück Leben und große Träume zu teilen, hinzufallen, sich danach wieder neu zu verlieben und sich dabei selbst zu finden. Genau das wünsche ich meiner kleinen Schwester, viele große Lieben, die all die Volldeppen in den Schatten stellen, denen man sonst so begegnet.

Fotos: David Szubotics
Mädchenmodel: Nasti van der Weyden

4 Comments

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  3. JudgeDark

    15. September 2016 at 18:13

    Ein sehr schöner Text. Und ja, irgendwie ist fast jede Beziehung in dem Moment die große Liebe, doch man kann diese doch auch irgendwie für sich bewerten. Und wenn man dann ehrlich zu sich selbst ist, dann ist oftmals eine Person dabei, wo die meisten Schnittmengen geherrscht haben, sei es mit Übereinstimmungen oder vielleicht mit den oben beschriebenen Ergänzungen.
    Ich für meinen Teil glaube an die große Liebe, einen Menschen der uns komplett macht, der uns vollendet und den wir vollenden und den wir komplett machen. Nein, dass muss nicht die heile rosa Welt sein, da gehören Auseinandersetzungen dazu … aber es gibt diesen Menschen und jeder mag für sich selbst beurteilen, ob das eine ganz bestimmte Person ist oder eben doch eine Vielzahl. Denn ja, es ist so, dass jede Beziehung auch formt … doch bleibe ich dabei, es gibt diesen einen speziellen Menschen, davon bin ich überzeugt.

  4. Emily

    14. September 2016 at 20:37

    DANKE <3

    Als hättet ihr gewusst, dass ich grade nach einem herzzereißenden Telefonat mit meiner herzallerliebsten Friseurin heulend und völlig am ende Facebook öffnete um zu schauen ob ER online ist. Scheiß Liebeskummer, ich brauch jetzt was zum Liebe machen und dann darf die nächste große Liebe kommen.

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