Der Sprung ins Fremde – ein innerer Gefühlsmonolog

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Ein innerer Monolog von Artie Shaww.

Weite Verstandeslandschaft. Ich begreife einiges, vieles, nichts.

Ich empfinde so massiv, als wären meine Gefühle tatsächlich haptisch, als könnte ich sie anfassen. Gerade habe ich einen Batzen von Gefühl um mich herum. Es erdrückt mich mit all seiner plüschigen, nachgiebigen Weichheit. Es umschließt mich, nimmt mir die Luft zum Denken. Es ist so ein warmes Mama-Gefühl, unangenehm, klebrig und dann wiederum doch nicht.

Es wäre ein Leichtes, sich hinein sinken zu lassen. Denn durch seine nachgiebige Weichheit kann ich mich fallen lassen, ich kann alles, was ich festhalten müsste, loslassen und bräuchte um nichts mehr kämpfen. Dieses Gefühl ist so groß wie ein Bär, weich wie Mäusespeck und pastellfarben. Ich lasse mich dagegen sinken, bin umfangen von Liebe und Geborgenheit. Ich habe die Menschen, die mich auffingen, wenn ich spränge. Und es wäre schön, wenn ich mich von genau diesen Leuten auffangen ließe, die treu zu meiner Seite stehen.

Denn ich will mich nicht ins Vertraute fallen lassen. Ich will ins Unbekannte, ins Fremde springen. Und jetzt? Kann ich meinem Gefühl mittels Ratio beikommen? Denn ich muss denken, handeln. Ich muss erwachsen werden, will ich leben. Und ja, ich muss den Sprung wagen. Aber wer wird an meiner Seite sein?

Gefühl_1_by_Artie Shaww

Ich kann dieses An-die-Hand-genommen-werden-Wollen durchaus nachvollziehen. Vor zehn Jahren traf ich auf einen Mann, der mich sofort für sich einnahm, von dem ich wusste, dass das mein Mann werden würde. Stundenlange Telefonate, das erste Treffen, der erste Kuss. Dieser Mann trug mich auf Händen, ich konnte mich fallenlassen, er fing mich auf, richtete mich auf. Zeigte mir, dass ich es wert bin, geliebt zu werden. Dieser Mann war mein Ein und Alles.

Er zeigte mir, wie Sex sein sollte, was Sex bedeutet. Es war eine grandiose Zeit, ein Rausch der Zweisamkeit, die Symbiose war perfekt. Das Gefühl: ein Ankommen, ein Nachhausekommen. Ich wurde geliebt. So sehr, dass ich ausbrechen musste, um groß zu werden, um zu wachsen. Scham, Schuld, aber auch ein Ersticken wie durch Zuckerwatte, ein Erdrücken von glücklicher Zweisamkeit. Liebevoll, sanft, duldsam.

Gefühl_3_by_Artie Shaww

Dagegen dann der Ausbruch, ich rebellierte gegen das dicke, sämige Gefühl. Und gleichzeitig war mir immer bewusst, dass ich immer Menschen um mich haben würde, die dieses Gefühl bedienten. Ich würde immer weich fallen, könnte mich immer fallen lassen, die Menschen waren und sind immer da.

Und nun? Nun will ich springen, so sehr, dass es weh tut, und dann kommt dieses dämliche Gefühl. Dieses liebe, schöne, warme, weiche Gefühl und hindert mich, zieht mich zurück. Kann ich ihm mit Ratio beikommen? Mein Verstand muss sich durchsetzen: Ich muss mich und mein Leben selbst in die Hand nehmen. Ich will mich nicht in dem weichen Gefühl verkriechen, mich ausweinen und wehmütig in alten Zeiten schwelgen. Stattdessen nehme ich Anlauf und springe, ohne meinen Menschen, die mich bedingungslos und weich lieben, Bescheid zu geben.

Wem vertraue ich? Noch nicht mal mir selbst. Und: Wer brauch mich eigentlich? Oder kann ich weg?

Gefühle sind grad einfach scheiße.

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