Der Morgen nach dem One Night Stand

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Text von Marla

Du hast die Nacht in dieser fremden Wohnung verbracht, in diesem fremden Bett, mit diesem Menschen, den du am Abend zuvor kennengelernt und mit dem du so ziemlich genau drei Sätze wechseln konntest, bevor er dir die Zunge in den Mund steckte. Der Kickstart für einen One Night Stand wie aus dem Bilderbuch. Und obwohl du ein derart stürmisches Verhalten sonst fürchterlich daneben findest, kannst du jetzt noch das Kribbeln fühlen, das durch dich hindurch rauschte, als seine Lippen deine zum ersten Mal berührten. Was drum herum passierte, hast du vergessen. Scheiße, immer dasselbe, du solltest nicht mehr so viel trinken.

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Aufregend war er, dieser One Night Stand. Kennengelernt habt ihr euch in deinem Lieblingsclub. Wie großartig diese Musik ist, dachtest du noch und nahmst einen großen Schluck Gin Tonic. Auf einmal stand er neben dir, duftete nach großem Jungen, nach Weichspüler von Aldi und der ersten Herbstnachtluft und grinste dich über seine Flasche Mate hinweg an.

Dann habt ihr rumgemacht, und du hast keine Ahnung mehr, wie es dazu kam. Plötzlich warst du geil auf den Unbekannten, er auf dich. Ihr hättet auf dem Männerklo ficken können, aber darauf hattest du keinen Bock, zu grelles Licht, und die traurig koksenden Hipsterboys, die es nicht ins Berghain geschafft haben, findest du inzwischen nur noch peinlich.

Also seid ihr zu ihm, habt es getrieben wie die Affen. One Night Stand typisch leicht verkrampft, aber das war okay, es hat dir nichts ausgemacht, weil ein bisschen Krampf und Unsicherheit dazu gehört, zu Nächten wie dieser. Aber sein Schwanz hatte genau die richtige Größe, du hast erfolgreich deine kleine Show als Sexpupe abgezogen, hast seine Blicke und Berührungen genossen, eure Körper waren wie füreinander gemacht, sie passten so gut ineinander, dass du es anfangs gar nicht glauben konntest.

Als du vormittags nach dem One Night Stand in seinem Bett wach wurdest, schlief er noch. Er sieht viel zu schön aus, schöne Männer machen dir Angst, die hat man nie lange für sich allein. Du zogst ihm die Bettdecke weg, hast an ihm gerochen und den Geruch von Ficken und Weichspüler eingesogen, ihn wieder zugedeckt und bist dann aufgestanden.

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Jetzt stehst du in dieser fremden Küche, mit nichts als einem Hoodie bekleidet. Auf deinem Bauch ziept es. Das ist sein Saft, der eingetrocknet ist und nun mit den Härchen auf deinem Bauch zusammenklebt. Mit der linken Hand greifst du unter den Hoodie und versuchst, die Spermakruste abzukratzen, mit der rechten Hand kratzt du dich am Kopf. Wo ist denn hier die Kaffeemaschine?

Als du sie findest, atmest du auf. Er trinkt Filterkaffee. Mit diesen fancy Kaffee-Automatendingern kennst du dich nicht aus. Du setzt genau zwei Tassen auf, kippst alles in den größten Becher, den du finden kannst, genießt das Schwarze, Heiße, zündest dir eine Kippe an und überlegst, wie der Fremde im Bett heißt. Vielleicht solltest du ihn einfach fragen.

Fotos: Anneliese Moder // Anneliese Moder bei Facebook <3

1 Comment

  1. Angelique

    29. September 2016 at 16:33

    Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber in mir kommt in letzter Zeit nach einem One-Night-Stand oftmals der Gedanke hoch, es wäre besser gewesen, den Rabbit Vibartor ein zu setzen. Oder habe ich die Serie, und treffe nur noch auf die falschen Männer?

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