Fuck cancer: Ich bin zu jung zum Sterben

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Ein Interview von Artie Shaww.

Seit einem längeren Zeitraum folge ich Claudia auf ihrem Instagram-Profil „littlebrvlyliongirl“. Claudia ist sehr krank, sterbenskrank sozusagen. Wie sollte es anders sein: Fuck cancer eben. Claudia hat Krebs. Nicht nur, dass sie im Körper Metastasen hat, nein, auch im Kopf hockt ein Tumor, den sie Karlhorst genannt hat. Auf ihrem Instagram Profil zeigt sie ganz offen, wie sie ihr Leben, ihren Alltag mit dieser Krankheit meistert. Die Frage beim ersten Aufeinandertreffen für mich war, wie gehe ich mit Claudia um? Wie kann ich mit einem sehr kranken Menschen ein Interview über das Leben, die Gesellschaft, Sex führen? Ich bin selbst gespannt.

Artie: Claudia, wie geht es dir momentan?

Claudia: Nicht gut. Das muss erstmal als Antwort reichen. Meine Standardantwort ist eigentlich: „Ich lebe noch“. Ein langer, tiefer Seufzer reicht in der Regel auch schon, um zum Ausdruck zu bringen, wie es mir geht. Weil – wie soll es mir schon gehen?

Artie: Dein Profil ist öffentlich, du postest sehr intime Dinge, wie du dich fühlst. Manchmal postet du auch nicht so freundliche Sachen, da heißt es „Obacht Gegenwind“ für manche Follower. Wie gehst du mit Menschen um, die – deiner Meinung nach – dir unsensibel gegenüber treten?

Claudia lacht. Sagt dann: Mal mehr mal weniger gut. Es kommt auf mein Befinden an. Wenn man mich dabei „erwischt“, wie ich mit schwarzem Humor kontere und eine große Klappe habe, kann man sagen, dass man Glück gehabt hat. Momentan bin ich aber ganz und gar nicht in dieser Stimmung und Verfassung. Ich bin sehr, sehr, sehr verletzlich. Sensibel. Ja, depressiv. Ich neige dazu, sehr schnell in Tränen auszubrechen. Kann man es mir verdenken? Also, um genau zu sein, weiß ich momentan auch nicht, wie ich mit solchen Menschen umgehen soll. Deswegen bin ich lieber still. Ich kann ja nicht jeden dumm anmachen, der mich dumm anmacht. Dafür hab ich weder Kraft, Nerven. Weder Lust noch Zeit.

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Claudia ist littlebrvlyliongirl

Artie: Was erwartest du stattdessen von Menschen?

Claudia: Bitte einfach nachdenken, bevor man etwas sagt, schreibt. Oder einfach still sein. Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, still sein. Wenn man nicht um eine Meinung gefragt wurde, still sein. Mein Profil ist zwar öffentlich, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals irgendwo erkenntlich gemacht oder gesagt habe, dass mein Profil ein Ort ist, an dem man ungefiltert und ungefragt seine Meinung rausposaunen darf. Ich hab nichts gegen Meinungsfreiheit. Oder gegen Mund-Aufmachen. Es muss aber angemessen und durchdacht sein. Ich sage ja auch meine Meinung. Allerdings nur, wenn ich gefragt wurde. Vielen Menschen fehlt entweder jegliche Empathie oder Sensibilität. Leider. Die Anonymität im Internet erleichtert es einem ungemein, Dampf abzulassen oder gemeine Sachen zu sagen.

Artie: Was ist so das Derbste, was du hier erlebt hast?

Claudia: Es ist noch nicht mal einen Monat her, da wurde ich von einigen gefragt, wann ich denn ungefähr sterbe. Da hatte ich einen ganz dicken Kloß im Hals. Da blieb mir erst mal eine Weile die Spucke weg. Wie kann man es wagen, so etwas zu fragen? Als dann zwei Tage später die Nachricht eines Followers eintrudelte, in der es hieß, ich solle das nicht so streng sehen, da sich die Leute für mich interessierten, und ich eine Person des öffentlichen Lebens sei, ich würde ja alles teilen, platzte mir dann der Kragen. Klar, mein Profil ist öffentlich. Dennoch bin ich keine Person des öffentlichen Lebens. Ich teile viel. Aber nicht alles. Und dieses „Interesse“ ist für solche Leute reine Neugier. Mehr nicht. Egal, wie lieb gemeint es ist. So etwas ist schlicht ganz große Scheiße.

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Ich atme tief durch und frage mich, wie Leute so etwas tun können. Claudia fährt fort.

Claudia: Neulich meinte dann allerdings auch noch jemand, ich solle meinen Kopf aus dem Arsch nehmen und mein Leben leben. Nichts anderes tue ich. Ich bin die Letzte, die auf Mitleid aus ist. Und die Letzte, die komplett den Kopf in den Sand steckt. Obwohl ich eigentlich jedes Recht dazu habe. Aber ich habe große Lust, mein Leben zu leben, solange es geht. Ich fühle mich gut aufgehoben, wenn man mir sachte und behutsam den Kopf krault und mich meines Schicksals bedauert. Wenn man es nicht ignoriert, dass ich sterbenskrank bin. Wenn man auf mich zukommt und fragt, was mich bedrückt. Ob ich über meine Ängste, Trauer, Schmerzen sprechen möchte. Es ist scheiße. Mehr muss man dazu nicht sagen. Aber dass man mich dauerhaft mit Mitleid und Beileidsbekundigungen überschüttet, ist auch nichts. Man will ja nicht ständig damit konfrontiert sein.

Claudia hat Anfang Februar um Geldspenden gebeten, da sie aufgrund ihrer Krankheit nur sporadisch arbeiten gehen kann und somit kaum eigenes Geld verdient.

Artie: Wir hielten kurz Rücksprache, weil du dich gescheut hast, einen Spendenaufruf für dich zu starten. Dieser Aufruf schlug ein wie eine Bombe, und du bekamst innerhalb weniger Stunden so viel Geld auf dein Paypal-Konto, dass du sogar wegen Geld-Wäsche-Verdachtes angeschrieben wurdest. Was löste diese Aktion bei dir aus?

Claudia: Riesengroße, unbeschreibliche Dankbarkeit. Ich war in diesen 48 Stunden nicht fähig irgendwas zu tun. Als ich diesen Aufruf geteilt habe, zitterten meine Hände. Vor Angst. Vor Scham. Aber auch vor Erleichterung. Da es jetzt endlich raus war. So viele fragten immer, ob sie mir denn etwas Gutes tun könnten. Ich bin nicht gut im Annehmen, daher wusste ich nie, was ich antworten oder mir wünschen sollte. Da ich aber schon seit meiner Diagnose meine Löffelliste angelegt hatte und sich da noch einige Wünsche tummeln, die noch nicht erfüllt sind, wollte ich mir endlich ein Herz und den Mut fassen. Wenn irgendwelche Menschen in Facebook-Gruppen nach Geld für eine neue Kamera fragen können, dann kann doch auch eine Krebskranke fragen, ob man ihr nicht helfen möchte, Geld zusammenzubekommen für ein paar letzte Herzenswünsche?

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Artie: Was war das Erste, was du von dem Geld bezahlt hast?

Claudia: Eigentlich stand an erster Stelle die Heißluftballonfahrt, das ist aber noch in Planung. Und wird auch bald angegangen. Stattdessen habe ich mir als Erstes den Trip nach Usedom, an die Ostsee davon bezahlt. Eine schnucklige Ferienwohnung. Dann kamen offene Rechnungen von Klinik und Apotheke, eine Cyberknife-Rechnung und tatsächlich eine GEZ Rechnung. Es ist mir ein Anliegen, möglichst schuldenfrei zu gehen.

Artie: Gab es auch negative Resonanz? Wenn ja, wie fiel die aus, und wie bist du damit umgegangen?

Claudia: Fast gar nicht. Ich habe durch einige Follower mitbekommen, dass es da wohl zwei, drei Leute gäbe, die – da es wohl in letzter Zeit häufiger Spendenaufrufe gab, die ich persönlich gar nicht mitbekommen habe – über uns Spendensuchende „herziehen“. Die die Meinung vertreten, dass es sehr auffällig wäre und man doch bei Spenden-Orgas „betteln“ könne. Ich hab mir deren Meinung angehört beziehungsweise durchgelesen. Das hat mich schon etwas nachdenklich gemacht. Aber mehr traurig. Dass es einfach immer wieder Leute geben muss, die einem alles schlecht reden. Ungefragt! Man sieht auch hier wieder: Dieses Feingefühl und die Eigenschaft, erst denken, dann reden/schreiben, fehlt vielen Menschen. Ich hab dann einen Tag später meine Meinung und meine Sicht der Dinge gepostet. Weil es mir wichtig war und mich etwas runtergezogen hat. Da ich aber so viel positive Resonanz bekam und so verdammt viele Menschen hinter mir standen, immer noch stehen, waren diese Sorgen und Ängste auch schnell wieder vom Tisch. Ich war einfach – und bin es immer noch – so, so dankbar.

Artie: Was verlangst du vom Leben?

Claudia: Eine gute Frage. Wir wissen ja alle, dass dieses Leben eine Herausforderung von immenser Größe ist. Und dass hier niemand lebend raus kommt. Verlangen klingt aber so hart. Wir haben leider alle nicht das Recht, irgendwas zu verlangen. Allerdings wünsche ich mir, dass ich noch viel Zeit habe. Und dass mir noch viele gute Menschen begegnen. Da fällt mir immer der Wunsch meiner Mama an mich ein. Als ich zehn oder elf war, sagte sie mal: „Ich wünsche dir, dass du Leuten begegnest, die dir gut tun.“ Ich finde, das ist letzten Endes auch am allerwichtigsten im Leben. Dass man Menschen, Freunde, Familie hat, die an deiner Seite stehen. Menschen, die einem gut tun, können sehr viel Liebe versprühen. Ich habe sehr viele liebe Menschen an meiner Seite, die mir gut tun. Freunde, Familie, die mich immer unterstützen. Auffangen. Mit mir weinen. Lachen. Schweigen. Da sind. Mich nicht alleine lassen. Egal, wie gemein und grumpy ich wegen Karlhorst bin. Ich bin nicht allein. Das ist schön. Ich wünsche das jedem. Diese Liebe.

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Artie: Wie gehst du mit den Belangen, die gesunde Menschen an das Leben stellen, um? Wenn du siehst, dass sie zum Beispiel über das Wetter klagen?

Claudia: Puh. Das kommt auch wieder auf mein Befinden an. An manchen Tagen ist es mir schlicht egal. Schließlich gibt es immer irgendwo Leute, denen man es nicht recht machen kann. Leider. Und dann gibt es Tage, da könnte ich mich stundenlang drüber aufregen. Haben die nichts Besseres zu tun? Ist denen wirklich so langweilig? Um das Wetter mal anzusprechen: Wir bekommen es doch schon im Kindergarten mit, dass nicht Petrus das Wetter steuert, sondern das Wetter eben so ist, wie es ist. Da hilft auch kein „fuck you Wetter“. Das arme Wetter kann doch auch nichts dafür. Regt euch doch lieber über Erdogan oder Trump auf. Es gibt schließlich Schlimmeres als das Wetter.

Artie: Bist du wütend? Was macht dir am meisten zu schaffen?

Claudia: Manchmal bin ich wütend. Manchmal aber auch extrem genervt. Manchmal einfach nur sehr aggressiv. Dann wieder gleichgültig. Am meisten macht mir zu schaffen, wenn Leute „Gute Besserung“ zu mir sagen. Ich vermittle hier ja schließlich, dass ich sterbenskrank bin. Ich habe keinen Schnupfen. Da hilft ein „Gute Besserung“ nicht. Ich wünsche mir wirklich, dass es von den Menschen akzeptiert wird, was mit mir ist. Da hilft auch kein „Dieser Kack-Krebs soll sich verpissen“. Klar soll er sich verpissen. Aber ich bin soweit, dass ich verstanden habe, was mit mir passiert. Da helfen mir solche Aussagen nicht. Ich akzeptiere meine Krankheit nicht, aber ich versuche, damit halbwegs umzugehen. Und solche unüberlegten Aussagen machen das dann auch oft zunichte. Was ich auch ätzend finde, ist, wenn Menschen sagen, dass sie mir gerne einen Teil dieser Last abnehmen wollen. Das ist Bullshit. Kein Mensch möchte freiwillig Krebs haben und diese Last für mich tragen.

Artie: Was sagen sie noch?

Claudia: Schön ist auch, dass ich „meinen Arsch zusammenkneifen und kämpfen solle“ oder „mehr Kampfgeist“ zeigen könne. Warum solche Aussagen? Ich hab niemanden um diese Meinung gebeten. Die Leute verstehen nicht, dass das unangemessen ist. Ich möchte so etwas nicht lesen oder hören. Kein Krebskranker der Welt steht auf solche Aussagen. Geschweige denn auf Anweisungen. Das kann man jemandem sagen, der seinen Arsch bei Bewerbungen nicht hochbekommt. Aber nicht mir. Wollen Menschen mit solchen Aussagen sich selbst etwas Gutes tun? Dass sie befriedigt sind, weil sie jetzt etwas gesagt haben, worum niemand gebeten hat? Aber Hauptsache, irgendwas von sich gegeben. Ich weiß nicht, warum, aber wollen die Leute, dass ich sie deswegen mag? Abschließend hasse ich es, wenn Leute mir sagen, dass Aufgeben keine Option ist, ich durchhalten solle oder sie mir „noch mehr Durchhaltevermögen“ wünschen. Für was? Für den Todeskampf?

Artie: Was macht dich traurig?

Claudia: Hmmmm. Um ehrlich zu sein – im Moment leider alles. Ich mach es meinen Mitmenschen, meinem Umfeld gerade echt nicht so leicht, fürchte ich. Ich suhle mich extrem in Selbstmitleid. Ich fürchte, ich habe den Kopf im Arsch… Aber das ist mir egal. Ich hab jedes Recht. Das kam in all der Zeit noch nie so richtig durch. Ich weiß, dass es auch irgendwann wieder besser wird. Aber gerade eben nicht. Und irgendwie müssen die Wut und die Trauer ja raus. Jeder macht das auf seine eigene Art. Es ist ‘ne Riesenscheiße zu wissen, dass oder warum man gehen muss. Und wenn es dann auch noch Leute gibt, die meinen, sich im Internet, auf meiner Seite, alles erlauben zu können, mich als unsensibel, scheiße oder zickig zu bezeichnen, dann tut das so richtig weh. Ich wünsche mir dann, dass diese Leute wenigstens für 24 oder 48 Stunden in meinem Körper steckten. Solche Leute sind oft auch ein Grund, warum ich mal still werde. Weil es letztlich nichts zu sagen gibt. Diese Leute verstehen nichts, auch wenn man schon hundertmal den Stand der Dinge erklärt oder erzählt hat. Ich bin mittlerweile echt müde geworden. Auch tut es mir leid, dass ich nicht lange genug lebe, um diese Liebe, die mir von lieben Menschen gegeben wird, zurückgeben kann.

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Artie Shaww sprach mit Claudia

Artie: Und – über was freust du dich?

Claudia: Dass man mich trotz meiner Grumpy-Art immer noch sehr lieb hat. Dass man mich bedingungslos lieb hat. Ich schätze das sehr. Und allein beim Gedanken, dass sich der Wunsch meiner Mama erfüllt hat, kommen mir die Tränen. Ich bin sehr glücklich und froh, gute Menschen in meinem Leben zu haben. Ich freue mich auch, wenn man mich krault und massiert. Wenn man sich Zeit für mich nimmt. Mir zuhört. Wenn ich kleine Ausflüge plane und die dann sogar unternehmen kann. Darüber freue ich mich. Und dass ich bald ein paar liebe Menschen auf einem Fleck um mich habe, mit denen ich hoffentlich ein großartiges Erlebnis und tolle Erinnerungen mitnehmen darf.

Artie: Wie gehst du mit deiner Sexualität um? Hast du Lust? Oder ist das Thema ganz weit weg? Darf eine Todkranke überhaupt Sexgedanken haben oder ist das absurd?

Claudia: Für manche Kranken ist das sicherlich ein heikles Thema. Für mich eher nicht. Und nein, ich habe keine Lust. Ich weiß auch schon gar nicht mehr, wann das letzte Mal war. Die Frage macht mich sogar auch wieder traurig. Nicht, weil ich keine Lust verspüre. Oder weil ich nicht aktiv bin. Sondern, weil ich viel zu jung bin, dass man mir so eine Frage stellt. Dass ich darüber nachdenken muss. Ich bin zu jung zum Sterben. Ich sollte mir keine Gedanken ums Sterben machen müssen. Auch, wenn ich lebe – und Sex gehört schließlich dazu – ist dieses Thema wiederum ganz weit weg. Meine Sexualität hat nicht oberste Priorität. Wenn es passiert, passiert es. Ich muss aber nicht nochmal unbedingt Sex gehabt haben, bevor ich sterbe. Lieber ein Guinness.

Artie: Du hast hier auch Menschen kennen-, schätzen- und liebengelernt. Ich weiß, dass du Angst hast, uns verlassen zu müssen und möchtest uns damit nicht wehtun. Wie empfindest du diese Liebe, die dir durchaus entgegenschlägt?

Claudia: Als das Beste, was mir je im Leben passiert ist. Die Liebe zieht sich schon durch mein ganzes Leben. Ich könnte deswegen platzen vor Dankbarkeit.

Artie: Abschließend: Was bedeuten dir Joko und Klaas?

Claudia lacht, sagt: Wenn ich sage, nichts, klingt das so gemein. Sagen wir’s so: Ich kann mit ihnen mehr anfangen als mit den Simpsons.Ich schau mir gerne Circus Halligalli an. Oder Folgen von „Aushalten – nicht lachen“. Weil ich über den Quatsch und die dummen, dämlichen Aktionen mehr lachen kann, als ihn manche Menschen im Netz fabrizieren. Diese Dummheiten sind besser, einfacher, leichter zu ertragen. Ich glaube, nach dem Interview sind ein paar solcher Folgen fällig, weil ehrlich sein auch sehr anstrengend sein kann. Ich hab mich ja jetzt praktisch ausgezogen, ohne mich auszuziehen.

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Artie: Und doppelter Abschluss – was wolltest du schon immer mal letztendlich loswerden und in den Weiten, Tiefen des Internets festgehalten wissen?

Claudia: Ich möchte, dass man sich nach meinem Abschied noch eine Weile an mich erinnert. Dass man sagt, dass ich mutig war. Weil ich von Anfang an klar gemacht habe, dass Aufgeben kein Aufgeben ist, sondern Mut. Zu sagen, dass dieses „Aufgeben“ völlig in Ordnung und sehr wohl eine Option ist. Dass es schön mit mir war. Und man möglichst genug Erinnerungen von mir angesammelt hat. Dass man stolz auf mich ist. Und irgendetwas Positives oder Hilfreiches mitnimmt. Dass sich alle Menschen des Lebens bewusster werden, dass eben nicht erst eine Krebskranke ankommen und dies allen zeigen muss. Früher hat man sich mit den wenigen Dingen, die man hatte, begnügt, man war zufrieden. In der heutigen Zeit will man immer noch mehr und noch mehr. Dabei ist doch das Wichtigste Zeit und Liebe. Das bekommt man nur, wenn man auch etwas davon gibt. Und dessen muss man sich bewusst werden. Ich hätte wirklich gerne, dass mehr Menschen ihr Hirn einsetzen und nachdenken, was sie von sich geben. Oder auch einfach mal schweigen, wenn es nichts Wichtiges zu sagen gibt. Dass Leute nicht immer sagen, sie haben vor, dies und jenes zu tun. Sondern, dass sie es in die Tat umsetzen. Man muss das Leben leben. Wie, ist dann im Prinzip egal. Da hat jeder wieder seine eigene Meinung. Aber wir alle wissen, es ist so verdammt kurz.

Alle Fotos: Privat

Wenn ihr Claudia auf Instagram folgen möchtet, hier geht es zu ihrem Profil.

6 Comments

  1. Tina

    29. Juni 2017 at 16:20

    Bin immer wieder unfassbar traurig wenn ich das lese..so ein junger toller starker mensch. Warum nur sie? Versteh es nicht! Dennoch ein ganz tolles ehrliches interview liebe claudia. Ich drücke dich und Wünsche dir weiterhin ganz viel kraft.

  2. Niva

    27. Juni 2017 at 12:36

    Tolles Interview, sehr intensiv und einfach ehrlich. Wollte gerade etwas mehr über Sie erfahren aber musste feststellen, dass Ihr Instagramprofil leider gelöscht ist :(

  3. JudgeDark

    11. Juni 2017 at 19:13

    Vielen Dank, dass wir an diesem Interview teil haben durften … ! Solche Dinge sind viel wichtiger, als das angesprochene Wetter oder als Mr. T und Erdolf zusammen.

  4. Noemi

    11. Juni 2017 at 16:27

    Wunderschön, dass geht unter die Haut und bleibt hängen – und zwar nicht nur bis zum nächsten Post

  5. Leona

    11. Juni 2017 at 14:32

    Sehr schönes Interview. Und alles ist so unglaublich nachvollziehbar. Vor allem der Wunsch, dass die, die nichts Positives zu sagen haben, schweigen sollen.
    Schade finde ich aber umgekehrt auch, Kommentare wie „der Kack-Krebs soll sich verpissen“ oder „ich würde dir gerne etwas abnehmen“ in die Ecke der negativen oder überflüssigen Nachrichten zu stecken. Das sind Menschen, die helfen wollen oder zumindest ihr Mitgefühl ausdrücken möchten. Dass das nicht immer leicht fällt und es ggf bessere Formulierungen gibt, sollte man ihnen nachsehen.
    Dennoch: du bist eine super mutige und sympathische Frau liebe Claudia. Ich wünsche dir, dass du noch unzählige Menschen triffst, die dein Leben ganz doll bereichern. Für sie wirst du ganz sicher eine Bereicherung sein!! Das spürt man auch schon über das Internet

    • Claudi

      12. Juni 2017 at 13:46

      Liebe Leona,
      offenbar hast Du da nicht alles verstanden, was in dem Interview steht. Ich schiebe solche Aussagen und Nachrichten nicht in die „negative Ecke“. Ich kann es einfach nicht mehr lesen oder hören. Schließlich vermittle ich ja in meinem Interview und in meinen Posts, dass es endlich mal zu akzeptieren gilt, dass man es nicht ändern kann, dass sich der Krebs aus mir verschwindet! Unheilbar sagt ja genau das aus. Ich meine, deswegen bringe ich mein Schicksal ja an die Öffentlichkeit. Mir ist klar, dass das nicht leicht fällt, aber all das steht ja im Interview. Meine Meinung. Und wie ich gerne hätte, dass man mit mir umgeht.

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