The right to orgasm: Ich fordere meine Ekstase!

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Ein Text von Artie Shaww.

*Shht! Dieser Text enthält sexuell explizite Sprache. Wenn das nicht eure Tasse Tee ist, geht doch einfach weiter, wir treffen uns später. Vielleicht hier? :) <3 

Knutschen, fummeln, beißen, lecken, aufeinander geil sein – was gibt es Schöneres, als sich heiß zu machen und es gemeinsam zu treiben? Was kann besser sein als ein gemeinsam gewollter, befriedigender Fick? Was aber, wenn der eine kommt und die andere bis heute auf die Erfüllung ihrer feuchten Träume wartet? Hat man das Recht, einen Orgasmus einzufordern?

Da sitzt man virtuell tagaus, tagein neben einem Menschen und ehe man sich’s versieht, hat man Nummern ausgetauscht und schreibt sich interessante Nachrichten hin und her. Ich möchte dann immer glänzen und glitzern, gebe flittrigen Wort-Tand von mir, der mein Gegenüber beeindrucken soll. Man gibt sich eloquent, ein bisschen extro-introvertiert und flirtet. Mehr oder weniger. Ich leider meist auf Teufel komm raus.

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Was aber, wenn der andere nur immer so ein bisschen aus der Deckung kommt? Dann wird es spannend, da werde ich zur Katze und will keinesfalls Beute sein. Ich will jagen und spielen. Selbst nur wenig gejagt werden, mich dem Spiel hingeben. Spannend. Es wird eindeutiger. Süße Lust durchbohrt das Bewusstsein, Endorphine überschwemmen die Ratio… Ich will mehr. Und dann, dann endlich, nach unzähligen vorsichtigen Textnachrichten: „Ja, klar, komm rum“.

Die Tür öffnet sich. Ein Bild von einem Mann. Groß, schön, breitschultrig. Ein scheuer Kuss, während die Muschi sich fröhlich putzt und das Pelzchen leckt.

Man plaudert, gibt sich aufmerksam, obwohl innerlich alles schreit, dass es doch nur um das Eine geht. Schließlich ergreife ich das Ruder, küsse, gebe mich lasziv und offen, während ich gleichzeitig seine Hose öffne. Ein schöner, feiner Penis streckt mir steif seinen Kopf entgegen und nickt begeistert, als ich mit der Zunge über die Eichel fahre. Lange dauert es nicht, und schon ist zumindest einer von uns beiden befriedigt. Erschlafft und nass rollt sich der Penis zusammen, während gleichzeitig bei ihm die Moralmühle zu mahlen beginnt: „Hätte, sollte, darf ich das?“

Lange dauert es daher nicht: Ich stehe angezogen im Hausflur, tappe orgasmuslos, aber dennoch glücksbesoffen nach Hause. Und seitdem warte ich. Auf ein Zeichen. Auf eine Eindeutigkeit. Auf eine Zweideutigkeit. Und bekomme… nichts.

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Stattdessen verliere ich mich in Tagträumen und Masturbationsphantasien. Ich möchte seine langen, schlanken Finger um meine Kehle spüren, will seinen Schwanz in meiner Muschi haben, seine Zunge gierig an meinem Kitzler saugen spüren. Will mich durch seinen Bart wühlen, ihn beißen, reiten, ficken. Mich auf seiner Brust abstützen, ihn in mir aufnehmen. Und kommen. Kommen. Kommen. Überfließen will ich, schreien will ich und das Gefühl eines immer währenden Orgasmus genießen.

Habe ich nicht auch das Recht auf einen Orgasmus? Darf ich den nicht vielleicht einfordern? Könnte ich nicht hingehen, klingeln, den Mann aufs Bett schubsen und sagen, dass er es mir jetzt, und zwar sofort, richtig besorgen soll? Es kann doch einfach nicht angehen, dass ich einem, zugegeben, sehr attraktiven Kerl einen blase und der sich nicht revanchiert. Was bildet der sich ein?

Ich will meinen Orgasmus haben und zwar genau von diesem schnieken Typen. Nicht, dass ich mich verliebt habe, aber ich mochte seinen Penis und seine Küsse und seine Hände. Das fühlte sich alles nach mehr an.

Ich will. Ich habe ein Recht darauf. Dachte ich.

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Wir haben einander nichts versprochen. Wir hatten schnellen, unverbindlichen und einvernehmlichen Sex. Mehr nicht. Folgende Gedanken blitzen seitdem immer wieder auf: Vielleicht war ich zu schlecht beim Blowjob. Vielleicht steht er aber auch einfach nicht auf mich. Vielleicht bin ich zu alt, zu hässlich, habe zu kleine Titten, meine Schamlippen sind zu groß, und unrasiert war ich auch.

Das alles zu denken und zu fühlen, tut weh. Denn ich war schon viel weiter – normalerweise liebe ich meine kleine Brust, finde meine dicken Schamlippen schön und bin auch mit meinem Aussehen meist mehr als zufrieden.

Ich dachte, dass ich als Frau selbstbestimmten Sex haben könnte. Ich gebe und nehme. Ich war wirklich bereit, einen Orgasmus durch einen schönen Fremden zu bekommen. Endlich, dachte ich, endlich schaffe ich es, dass ich nicht immer nur gebe, sondern, dass ich beim Sex auch auf meine Kosten komme, indem ich komme. Ich war offen, bereit, feucht. Selbstbestimmt wollte ich einen Blowjob geben, weil ich den Typen anziehend und geil fand. Weil ich ihn mir ausgesucht hatte, damit wir einander befriedigen – ich ihn, er mich. Und jetzt will ich meinen ausstehenden Orgasmus.

Ich werde ihn wohl nicht bekommen. Ich bildete mir ein, dass wir richtig geilen Sex haben könnten. Da lag ich falsch.

Während ich das schreibe, leuchtet das Display auf, und allgemeine Nichtigkeiten werden abgefragt, nur um sich dann wieder in Schweigen zu hüllen. Vielleicht muss ich konkreter nachfragen? Aber mal ehrlich: Will ich mich selbst als billige Auslegware verramschen? Ich bin doch keine alte Mortadella, deren Ränder sich vor Trockenheit aufrollen und die froh sein sollte, dass man sie überhaupt noch aufs trockene Brot legt.

Ich muss akzeptieren, dass ich mich in Sexträumen verloren habe. Mir wurde nichts versprochen, daher kann ich auch nichts einfordern. Ich habe viel zu spät in meinem (Sex)-Leben erkannt, dass es in erster Linie um mich gehen sollte. Ich bin wichtig, meine Befriedigung sollte mir ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger als der Orgasmus des Mannes sein.

Es wird noch so einige Männer in meinem Leben geben, die ich vergessen werde. Dieses hübsche, zurückgezogene Exemplar gehört nicht dazu, denn der Stachel der Zurückweisung sitzt tief, und dennoch gibt mir nichts das Recht, mich vor ihn zu stellen und zu sagen: „Leck mich!“.

Oder – Moment – vielleicht gerade genau das!

Fotos: Ika Fan // Ika Fan beri Tumblr

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  4. Rheintochter Esme

    15. Dezember 2016 at 18:13

    Rawr, wie ich es liebe, dass Artie immer mehr als nur eine Sichtweise mit reinnimmt! Ganz ehrlich, das ist wunderbar!
    Und auch, wenn nicht explizit irgendwas versprochen wurde, kann ich den Schmerz über die gefühlte Zurückweisung gut verstehen. Nur ist die Frage: ist es wirklich Zurückweisung? Oder check er’s einfach nicht? In letzterem Fall bin ich absolut pro offensive Einforderung. ;-)

    Liebe vom Rhein! <3

  5. JudgeDark

    12. Dezember 2016 at 17:31

    Sehr gut geschrieben … !
    Wenn man sich zu viele Hoffnungen macht, dann werde die meist eh enttäuscht. Doch ist es schon so, dass wir hier über ein Ding für zwei reden und da sollten auch beide auf ihre Kosten kommen … !

  6. Johanna

    9. Dezember 2016 at 21:36

    Sehr guter Artikel!
    Das sollten sich viel mehr Frauen mal zu Herzen nehmen und beim nächsten Mal ihr Recht einfordern – auch ich!

  7. hag bard

    9. Dezember 2016 at 12:13

    also… ich kann nicht verstehen, dass mann nicht an die befriedigung von frau denkt, ist für mich undenkbar und vor allem doch das schönste der welt :-)
    für mich als mann ist der eigene orgasmus beinahe unwichtig, aber den partner zum höhepunkt zu bringen…. DAS ist es doch!

    • Grimble

      23. Dezember 2016 at 23:11

      …und ich dachte, dass es nur mir so geht…mit viel beschwörenden Worten eingefangen…einmal gefickt und – auf Nimmer-Wiedersehen im Nirwana verschwunden…ein ehrliches „Das war nix“ tut zwar auch weh, aber man kann besser mit abschließen und sich der nächsten Enttäuschung widmen…

  8. ju52

    9. Dezember 2016 at 11:24

    Schon oft in den Bergen wandern gewesen?

    Man muss isch an den langsamsten anpassen, wenn man/frau gemeinsam am Gipfel ankommen will. Dazu muss man miteiander reden, auf den anderen achten und sich auch gegenseitig helfen. Auch mal halt oder pause sagen.

    Ich glaube, bei gutem Sex ist es genauso ;-)

    Also sag: Leck mich!

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