Daran denken WIR beim Blowjob, Wunderweib.de!

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„Mimi&Käthe! Bitte schreibt etwas über diesen Artikel! Der geht gar nicht! Was für ein Pferdekackhaufen!“ Dies schrieb uns neulich eine Leserin. „Ruhig, kleines Ponygirl“, versuchte ich die Leserin zu beruhigen, doch kein Zucker half, das empörte Schnauben wurde nur noch lauter. Also sah ich mir den Grund für die Aufregung an – einen Artikel auf der Website Wunderweib.de, der – laut Aussage des anonymen Autors – das Kopfkino aller Frauen auf der ganzen Welt während des Blowjobs zusammenfasst. Heieiei. Doch weil ich nun damit beschäftigt war, das um sich tretende Leserfohlen zu beruhigen, setzte ich Heißblut Artie Shaww auf den Kraut-und-Rüben-Artikel an. Hüa, Artie!

Von Artie Shaww

Ich liebe es, wenn meine Mitmenschen Zitate anwenden, wenn sie kluge Aphorismen und fremde Worte benutzen, die herrlich zur Situation passen. Richtig, hier ist auch schon die Einschränkung: Es muss passen. Denn es gibt für mich – in diesem Zusammenhang – nichts Schlimmeres als Leute, die Zitate wissentlich aus dem Kontext reißen und für sich arbeiten lassen. Besonders blöd, wenn ich weiß, dass die zitierte Person niemals nicht so hätte zitiert werden wollen.

In einem aktuellen Fall von Zitate-Missbrauch geht es um eine Aussage der fiktiven (höhö!) Figur Samantha Jones, ihres Zeichens eine knallharte (höhö!) Geschäftsfrau mit der weltbesten, fraulichen Sexgier aus der Serie „Sex And The City“. Auf der Website Wunderweib.de wird Sam Jones in diesem „Artikel“ mit folgenden Worten zitiert: „Der Blowjob heißt aus gutem Grund ‚Job‘!“ Der „Artikel“ ist eigentlich gar keiner, sondern nur eine Auflistung von 23 angeblichen Gedanken ALLER Frauen während des Oralverkehrs am Mann.

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Bock auf Blowjob statt Frust und Penis-Ekel – so sieht das bei guten, gesunden Mädchen aus, Wunderweib-Crew. Foto: Chris Phillips/Pornceptual.com

Ich sehe mich fast außerstande, diese Liste hier auch nur annähernd wiederzugeben, denn sie quillt nur so über vor Ekel: Selbst-Ekel, Penis-Ekel, Blowjob-Ekel und Männer-Ekel, aber ich überwinde mich und fasse mal zusammen.

Die Headline des Artikels ist noch absolut in Ordnung: „Daran denken wir alle beim Blowjob“. Eigentlich voll gut. Ich denke so viel Schönes, wenn ich blase. Leider folgt dem das schrecklich bitterfotzige Gerede einer Frau (so nehme ich an) über den Blowjob, diese eigentlich doch so herrliche Sache. Die anonyme Autorin spricht so abfällig von ihrem Partner, von seinem Schwanz, dass ich nicht umhin komme, sie von dem Penis, den sie so zu hassen scheint, wegreißen zu wollen und zu sagen: „Lass mich das machen! So ein Blowjob muss mit Spaß gemacht werden!“

Die Autorin denkt während des Blowjobs an seine Mutter (!), reflektiert darüber, dass sie eventuell schlecht bläst (ach, Schätzchen, tatsächlich?), erinnert sich an den Schwanz ihres Urlaubsflirts (Baby, du hast einfach die falsche Beziehung), vergleicht ihre Bitterfotze mit seinem Schwanz, ekelt sich vor seinen Schamhaaren, langweilt sich, bekommt keine Luft mehr, fürchtet sich vor dem Zeitpunkt des Abspritzens und quiekt herum, dass Sperma sich nicht aus dem Haar shampoonieren lässt (stimmt, wenn die Dame Trockenshampoo verwendet, könnte das schwierig werden).

Diese Penis-Gehasse hat ungefähr so viel Charme wie eine Eiterentfernung der Nasennebenhöhlen mit anschließender Ohrenschmalzreinigung des Gehörgangs.

Diese Frau da – wenn es denn überhaupt eine Frau war, schließlich möchte offenbar niemand namentlich mit dem Post in Verbindung gebracht werden – diese Person verhöhnt und beschimpft alle Penisse der Welt und zieht mit dem „Daran denken wir ALLE beim Blowjob“ alle Frauen mit in ihren Sumpf aus männerfeindlichem Bullshit. Da stampfe ich doch mit dem Fuß auf und brülle „Stop!“

Sicherlich kann sowohl Fellatio als auch Cunnilingus ekelerregend sein, aber davon gehe ich nicht aus, wenn ich gewillt bin, mit einem anderen, von mir ausgesuchten Menschen Sex zu haben.

Ich habe überlegt und mal eine Liste mit den Gedanken angefertigt, die MIR beim Blowjob durchs Köpfchen wabern (obgleich ich beim Blasen vor allem fühle, rieche, schmecke und einfach mache).

1.     Oh, oh, oh! Er steht auf mich, denn er steht schon!
2.     Wuhuu, er schmeckt so gut!
3.     Fuck, macht mich das scharf, ich werd feucht…
4.     Wie kriege ich ihn richtig zur Raserei? Ah ja, Spucke drauf und massieren!
5.     Sind meine Fingernägel kurz genug? Ja, sehr gut. Ich streichel seinen Arsch!
6.     Krass, wie dick er noch wird!
7.     Ich muss mich auf ihn setzen. Ich will ihn ficken, nur ganz kurz…
8.     Nein, ich muss mich zügeln, sonst ist der Spaß gleich zu Ende.
9.     Okay, durch die Nase einatmen, langsam.
10.  Aaaah… Er pumpt schon, ja, fest mit den Lippen umschließen und mit der Zunge drüberfahren.
11.  Geil, ein bisschen schlucken und dann Zungenküsse!
12.  Wann kannst du wieder? Njammie…

Das alles denke ich, über fünf bis hin zu 20 Minuten. Ich liebe nämlich den Schwanz meines Partners, er ist mein Lieblingspenis, mein Königspenis.

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Uh lala <3 Foto: Chris Phillips/Pornceptual.com

Es ist mir scheißegal, ob „Daran denken wir alle beim Blowjob“ ein lustig-ironischer Artikel sein sollte, er ist einfach nur grottenschlecht geraten. Denn, um einen Bogen zum Anfang zu schlagen: Sam Jones sagt in der Tat, dass der Blowjob zu Recht „Job“ genannt wird, aber gleichzeitig führt sie diesen Job gewissenhaft wieder und wieder aus. Warum? Weil ihr dieser „Job“ einfach Spaß macht.

Vielleicht sollte das „Wunderweib“ sich weniger wundern und stattdessen praktische „Job-“ Erfahrungen sammeln. Oder den „Job“ wechseln. Die Stellenanzeige könnte so aussehen:

„Wunderweib mit akutem Selbst-Ekel sucht einen Ausbildungsplatz. Großes Stehvermögen seitens des Ausbilders erwünscht. Handwerklich eher ungeschickt, will sie nichts unversucht lassen, um zu beweisen, dass sie ihr großes Maul wirklich weit aufbekommt, und ist zudem gewillt, einiges zu schlucken.“

Noch eins: So ein Blowjob ist wirklich nicht jederfraus Sache. Aber das lässt sich liebevoll kundtun, frau muss sich nicht öffentlich vor Ekel schütteln. Reden hilft. Echt jetze. Solche Listen führen nur zu Unmut. Die armen Penisse. So einen Umgang haben die echt nicht verdient!

Die Fotos stammen von Oberbabe-Fotograf Chris Phillips und seinem Blog Pornceptual.com Liebe <3

12 Comments

  1. Yeahawguy

    28. Dezember 2015 at 13:45

    Grossartiger Blog, habe mich hierher verklickt und kann nicht aufhören zu lesen. Danke für eure ehrlichen und tollen und auch scharfen Gedanken!!

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  5. Pete

    25. April 2015 at 1:49

    Und ich hatte mich nach dem Lesen des Anti-BJ-Artikels schon gefragt, ob bisher alle Frauen einfach nur gute Schauspielerinnen waren… ;-)

  6. Anni Goldecke

    24. April 2015 at 12:36

    Und ich dachte schon „juchhuu, ich bin anders als ALLE Frauen“ ^^

    Danke für diesen Artikel! *sigh*

  7. Werner

    24. April 2015 at 10:22

    Mädels….eins muss man sagen, grade wenn man in die Jahre kommt wie ich und schon so einiges erlebt und gelesen hat: strike!…..Genauso sollte es sein und wenn das nicht so ist, natürlich auch vice versa, dann ist wirklich was „verkehrt“ und mann/frau sollte sich dringendst Gedanken machen…dank www hab ich den Wunderweib-Artikel auch gesehen und konnte euch Mädels danach eigentlich nur noch bedauern…. @Mimi&Käthe, danke für die Beruhigung meiner altersschwachen Nerven ;-)

  8. Martin

    23. April 2015 at 23:41

    Geiler Schreibstil, toller Inhalt und einfach nur Zucker! Danke dafür!

  9. Matthias

    23. April 2015 at 21:43

    Lasst uns ALLE den Link zu DIESEM Artikel unter diesen anderen Penis-Hassenden Artikel posten!!

    Also ernsthaft wenn ich das als Mann lese leben so einige Unsicherheiten im Hinterkopf auf die schon längst erfolgreich überwunden und abtrainiert ( Danke an alle „Trainer“ dafür! :) ) waren… Aber Mimi und Käthe sei Dank gibt es diese Seite! :)

  10. Lory

    23. April 2015 at 21:14

    Viiieeelen Dank für die schnelle Rettung ♡. Ich hab mir ja echt gedacht, brechen zu müssen, als ich das gelesen habe. Wer so etwas von sich gibt, sollte seine Beziehung überdenken, oder einfach nicht blasen ^^. Danke nochmals für diesen voll tollen Artikel :). Das mittlerweile nicht mehr stampfende Ponymädchen ^^

  11. TheQueen

    23. April 2015 at 20:44

    Jep. Danke für diese Antwort. Kein Applaus für Scheiße. Übrigens, was Wunderweib nicht wusste: wenn Du Deine Berufung zu Deinem Job machst, musst Du nie weider arbeiten. In diesem Sinne Chapeau die Damen.

  12. JudgeDark

    23. April 2015 at 18:46

    Besser kann man den Quatsch nicht kommentieren und auf den Punkt bringen … danke dafür!

    Beim Lesen kam mir so in den Sinn: „ein Job kann auch Spaß machen“; sehr schön, dass dieser Schluss am Ende noch auftaucht! ;)

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