Daddyplay: Komm schon, spiel mit mir

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Ein Text von Virginia Heart. 

Ein Schnuller im Mund, ein Höschen mit Disneymotiven an, die Haare zu Zöpfchen gebunden, sitzt sie in ihrem Laufstall und brabbelt. Unter diesem kurzen Clip die Aufforderung „Fuck me, Daddy.” Die beschriebene Person ist ungefähr 26 Jahre alt.

Aufnahmen wie diese stammen aus der DD/LG Community, die sich gern als eine Untergruppe des BDSM sieht. DD/LG steht dabei für Daddy Dom/Little Girl, auch Daddyplay genannt. Das Spiel dreht sich meist um zwei Akteure, von denen einer die dominante Rolle, die des „Daddys” übernimmt. Das „Little” hingegen agiert im Stile eines Kleinkindes oder Kindes. Nuckelt mit großen Augen an Schnullern, kommuniziert über Babysprache und Fingerzeige, trägt Kuscheltiere mit sich herum, weint, ningelt und wird gewindelt. Teilweise verkörpern Littles beim Daddyplay auch etwas ältere Kinder: Sie sprechen, gehen mit ihren Daddys einkaufen, verlangen neues Spielzeug. Daddy obliegt jedoch immer die Kontrolle – ob er sein Little belohnt, zum Beispiel mit neuen Plüschtieren oder einer Runde Hoppe-Hoppe-Reiter, die seinen Sub, pardon, sein Little Girl (oder Boy) vergnügt quietschen lässt, oder seinem Spielpartner beim Daddyplay für gespielten „kindlichen“ Ungehorsam den Hosenboden strammzieht, bleibt ihm überlassen.

DD/LG

Ganz wichtig, sollte es untergegangen sein: Beim Daddyplay oder DD/LG Spiel handelt es sich um ein Rollenspiel zwischen Erwachsenen, NICHT um den Sex zwischen erwachsenen Männern (und Frauen, in diesem Fall spricht man von „Mommyplay“) und Kindern. Behaltet dies bitte im Kopf, bevor ihr weiterlest.

Diese Art des Rollenspiels hat einige Kontroversen entzündet. Während in sexpositiven Räumen generell jeder Kink, jeder Fetisch, akzeptiert wird, der zwischen zwei oder mehreren einwilligenden Erwachsenen Ausdruck erhält, wird der DD/LG Kink vielerorts kritisiert. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen den offensichtlichen: Ganz klar wird bei Daddyplay oder DD/LG kindliches Verhalten sexualisiert. Für viele ein Grund, Personen, die sich von DD/LG stimuliert fühlen, von Kindern fernhalten zu wollen.

Zum anderen ist Altersregression, also ein Verhalten, das einer früheren Entwicklungsstufe entspricht, für traumatisierte Personen eine hilfreiche Bewältigungsstrategie. Die zu bewältigenden Traumata entstanden nicht selten durch sexuelle Übergriffe im Kindes- oder Jugendalter. Wenn also der Versuch, das für diese Entwicklungsstufe angemessene Verhalten nachzuholen und erneut zu durchleben, von außen sexualisiert wird, ist äußerst verständlich, woher die Missgunst vieler Daddyplay Gegner stammt.

DD/LG 2

Weiterhin nutzen Littles in der Verkörperung ihrer kindlichen Rolle oft artikulatorische Eigenheiten, die typischerweise mit unfreiwilligen Sprachfehlern assoziiert werden. Ähnlich verhält es sich mit Windeln, die fester Bestandteil des Age Play (also des Spiels mit dem Alter und der Altersregression) sein können. Auch hier fühlen sich Personen, die aufgrund gesundheitlicher Probleme Windeln nutzen müssen, häufig degradiert.

Das Thema Pädophilie wird, wie bereits erwähnt, oft in Zusammenhang mit der Kritik an Daddyplay angesprochen*. Sind Menschen, die sich durch diese Art des Dom/Sub (Dominant and Submissive) Spiels erregt fühlen, tatsächlich pädophil oder tragen eine Neigung in sich? Sollte dem so sein, ist es dann nicht besser, sie leben diese Neigung mit anderen Erwachsenen, die den DD/LG Fetisch teilen, aus? Nun bin ich keine Psychologin, niemand im Mimi&Käthe Team hat einen entsprechenden Background, um die Ursachen für einen solchen Fetisch objektiv und wissenschaftlich zu erläutern. Insofern möchte ich an dieser Stelle weder in Mutmaßungen verfallen, noch ohne besseres Wissen verurteilen. Aber euch meine persönlichen Gedanken mit auf den Weg geben, das möchte ich:

Ich finde, dass Menschen, die unter der Fetischisierung ihres Alters oder ihrer Beeinträchtigungen leiden (könnten), definitiv davor geschützt werden sollten, ohne ihr Einverständnis sexualisiert zu werden. Doch wie stellt man das an? Sollte der Fetisch also in die heimischen vier Wände der DD/LG Player verbannt werden? Ich tendiere zu ja. Und ihr?

*Anmerkung der Redaktion: Wir gehen in diesem Text bewusst nicht weiter auf das Thema Pädophilie ein, da Pädophilie im Zusammenhang mit Daddyplay – so, wie wir den Begriff hier beschreiben – lediglich ein Aspekt von vielen in der Diskussion um diesen Fetisch ist. Um Pädophilie in all ihren Ausmaßen zu erläutern, diskutieren und darüber aufzuklären, fehlt hier der Raum. Wir möchten das an entsprechender Stelle gesondert und im angemessenen Umfang nachholen.

3 Comments

  1. JudgeDark

    16. November 2016 at 20:12

    Hm … schwierige Frage.
    Zuerst einmal finde ich es wichtig, dass es sich hier hoffentlich immer um zwei erwachsene Menschen handelt, die freiwillig derartige Praktiken verrichten. Ich muss es selbst ja nicht gut finden, um zu akzeptieren, dass es sowas gibt. Hab da mal ne Doku gesehen, wo eben ein Manager als Baby behandelt wurde, mit Pudern usw. … absolut nicht meine Welt. Aber, und das ist das Wichtige, wenn das freiwillig passiert und kein Zwang zu Grunde liegt, dann ist das OK. Ob da nun gleich einer pädophile Veranlagungen hat … keine Ahnung, der Schluss liegt natürlich nahe, ist aber denke ich ganz schwer pauschal zu beurteilen.
    Bzgl. des Schutzes beeinträchtigter Personengruppen sehe ich es wie Virginia und ich tendiere hier eher dazu, dass sowas in den eigenen vier Wänden bleiben sollte.

    • Mimi

      Mimi

      16. November 2016 at 20:34

      Ich denke, dass Fetische in den meisten Fällen ja ohnehin im geschützten Raum ausgelebt werden. Finde aber das, was Virginia sagt, schwierig. Solange niemand zu Schaden kommt, muss es Menschen mit diesem Fetisch möglich sein, zum Beispiel online nach Gleichgesinnten zu suchen, sich auszutauschen und sich zu informieren. Insofern kann es nie ganz in den eigenen vier Wänden bleiben, aber die Räume, in denen Daddy- und Mommyplay ausgelegt wird, real wie online, sind seltenst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

      • JudgeDark

        17. November 2016 at 19:03

        Da stimme ich dir zu, wobei ich persönlich diese Plattformen auch als geschlossenen Raum sehen würde. Vermutlich wird das auch nicht öffentlich sondern mit Registrierung laufen, da ist man dann auch unter sich und kehrt es nicht nach außen. Es bleibt aber schwierig das wirklich zu beurteilen … ist immer ein Für und Wider sowie eine Frage der Sichtweise.
        Da ich für mich diese Art des „Liebesspiels“ ausschließe, ist man natürlich auch schnell dabei mit einer Meinung; ist man „betroffen“, dann denkt man ganz klar anders darüber.

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