Is this love? Oder bist du nur bumsverliebt?

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Ein Text von Tori Ford.

Neulich saß ich mit zwei Freundinnen rauchend und weintrinkend in meiner Küche. Top-Thema: Die Auswertung meiner letzten Nacht, in der ich mit diesem großen, gut aussehenden, jungen Kerl geschlafen hatte. Sein Penis war perfekt, und als ich darüber nachdachte, geriet ich schon wieder ins Schwärmen. „Seit wann dürfen 21-jährige Jungs so gut aussehen?“ Und als ich so schwärmte und mich gleichzeitig ärgerte, warum der Jüngling mir nicht das Ego mit Komplimenten und Kurznachrichten streichelte, wurde ich von meiner Freundin ermahnt: „Du bist nur bumsverliebt. Bis Mittwoch ist das wieder weg, versprochen!“

Bumsverliebt? Richtig, dieses kurze, aber heftige Gefühlschaos kurz nach großartigem Sex.

Aber woher kommt diese blöde, fiese Bumsverliebtheit? Warum werden wir dadurch automatisch wieder zwölf Jahre alt und fragen uns minütlich, warum da nix auf dem Handydisplay aufleuchtet? Die Lösung liegt in der Biochemie unseres Körpers, genauer gesagt an dem Hormon Oxytocin. Das sogenannte „Kuschelhormon“ ist Segen und Fluch zugleich. Einerseits lässt es uns vetrauensseliger, mitfühlender und treuer werden, andererseits kann es dazu führen, dass wir Liebe und Sex nicht voneinander unterscheiden können. Gesetzt dem Fall, dass wir das müssen.

Nach dem Orgasmus, während der Geburt oder des Stillens sind wir Frauen Hochleistungs-Oxytocin-Produzentinnen. Männer schütten das Hormon auch nach dem Sex aus. Wobei sich mir da die Frage stellt: Sind Männer eigentlich auch bumsverliebt?

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Ich kenne solche und solche Fälle. Die einen verknallen sich sofort, die anderen haben noch gar nicht das Kondom abgestreift und sind schon zur Tür raus. Menschen sind eben verschieden, klare Sache. Der andere muss ja auch nicht zwingend gut gefunden haben, was da gerade zwischen den Kissen stattfand. Und natürlich spielen noch einige andere Details mit hinein.

Mir persönlich geht es auch nicht mit jedem Typen so – und da kommt mein Ego ins Spiel. Denn das, was ich vermeintlich nicht haben kann, will ich. Will heißen, wenn der Typ sich nach dem Verkehr erst mal ewig nicht meldet und die ganze Nummer auch noch gut war, oder ich der Meinung bin, da noch mehr rausholen zu können, macht mich dieser Post-Sex-Zustand wahnsinnig – und ich will mehr. Umgekehrt wird zu langes Warten schnell zu langweilig, und ich verliere die Lust an ihm.

Wie unterscheidet man nun, ob man ein Oxytocin-Opfer und bumsverliebt ist oder wirklich verknallt? Das Wichtigste ist meiner Meinung nach erstmal, das Ganze auszusitzen und mit seinen Freundinnen rauchend und Wein trinkend (beides nicht zwingend notwendig) alles auszuwerten. Denn die kennen dein zwölfjähriges Ich in den meisten Fällen besser als du selbst.

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Eine weitere Möglichkeit, um sich darüber klar zu werden, was du wirklich willst, ist ehrlich mit dem Beischlafpartner zu reden. Darüber, wo ihr steht, wer wo hin möchte, ob es auf eine Affäre oder Beziehung hinausläuft oder eine einmalige Sache war.

Doch dieses „einfach drüber reden“ ist gar nicht so unkompliziert. Denn es stellt sich zunächst die Frage: Wer meldet sich zuerst? Und ist der, der den ersten Whatsapp-Schritt wagt, der Loser oder schlichtweg der Selbstsichere? Diese taktischen Überlegungen nerven mich seit Jahren. Wenn ER sich meldet, ist es cool, aber wenn ich als Frau unverbindlich sage, dass ich Bock auf eine Wiederholung habe, bin ich leicht zu haben und werde dadurch uninteressant? Tschüssi, Jagdinstinkt, tschüss Bumsverliebtheit!

Was das Aftersex Verhalten angeht, wünsche ich mir mehr Offenheit und klare Kommunikation. So kann ich langfristig einordnen, ob ich „nur“ bumsverliebt bin oder ob mir Amor seinen Pfeil ins Herz gebohrt hat.

Fotos: Melanie Ziggel // Melanie Ziggel bei Facebook

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