In defense of Blümchensex – lass uns Liebe machen

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Mimi&Käthe Autorin Virginia Heart sieht zwar aus wie die Unschuld in Person, doch liebt die Schöne es gerade in Sachen Sex alles andere als sanft und zärtlich. Umso überraschter war ich, als ausgerechnet Virginia ein Plädoyer für Blümchensex schrieb. Denn, so findet sie, es muss nicht immer Rough Sex sein, das Stelldichein nicht immer mit blauen Flecken und einem aufgekratzten Rücken enden. Warum nicht einfach mal Liebe machen?

Text von Virginia Heart

Ich bin die Erste, die ihre vorurteilsbeladenen Rants über Neubausiedlungen und 2,4-Kind-Haushalte mit verbalen Illustrationen im Stil von „Klar, und Sex, Blümchensex, nur samstags, alle vier Wochen nach der Tagesschau und ohne Licht“ schmückt. Aber Freunde, ich wurde bekehrt. An einem Samstagabend.

Wir kennen uns schon lange, sind uns sehr zugetan und haben diese Sympathie für einander bereits das ein oder andere Mal körperlich zum Ausdruck gebracht. Immer triebhaft, immer eilig, immer hungrig auf das, was da passieren mochte. Der Platz war oft begrenzt, und das Hirn leicht benebelt. Nicht so an diesem Samstag.

Wir saßen auf meinem Fensterbrett und aus einem Kaffee waren mehrere geworden, aus angeregten Gesprächen angenehme Stille und wortarmes Verständnis. Die Amseln sangen, die Luft roch, wie sie nur an bestimmten Sommerabenden riecht, und wir knutschten plötzlich drauf los. Ihr kennt diese Entfremdung, wenn man ein Wort so oft wiederholt, dass es seinen Sinn zu verlieren scheint und man ihm einen neuen geben muss? So lang küssten wir uns, so endlos, dass ich den Moment verließ, nur um zurück zu kommen und alles wie zum ersten Mal zu fühlen.

Blümchensex

Es war wie der Nachmittag am letzten Schultag vor den Sommerferien, so viel Zeit, und der Magen schlägt Purzelbäume beim Gedanken daran, was man mit der Zeit alles anstellen kann. Nur das, was man wirklich möchte. Nur die tollsten Sachen. Und genau so stellten wir es an.

Die Vertrautheit ließ jegliche Eile und ungestüme Neugier welken. Stattdessen widmeten wir uns ausgiebig allem, was wirklich funktionierte. Fingernägel, die vorsichtig meine Wirbelsäule auf und ab kraulten. Eine Zungenspitze, die seine empfindlichsten Stellen im Wechsel mit meinen Schneidezähnen bespielte. Orgasmen, die nicht die Ziellinie, sondern einen Etappensieg bedeuten. Der Sommer war unendlich.

Wir lagen danach eine Weile da, und wie ich ihn so ansah, meine ganze Haut kribbelnd wie nach einem Tag im Meer, da wollte ich ein Gedicht schreiben. Nicht über ihn, unseren Blümchensex, sondern über Erdbeermilchshakes und Junikäfer und Sonnenblumen und Punktekleidchen. Weil ich das aber nicht kann, hier nun dieser Text. Ich bin bekehrt. Blümchensex ist der Sommer zu meinem rauen, stürmischen Winter.

Foto: Luna

8 Comments

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  2. Romy

    24. Juli 2016 at 22:52

    Oh, ah, gibt’s was besseres als sich mal Zeit zu nehmen und in der Situation zu versinken? Beim Gedanken an die ersten Küsse meiner Teeniezeit wird mir heute noch warm ♡ toller Text!

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  5. Nicca

    4. Juli 2016 at 13:33

    Ein sehr schöner Beitrag – lässt mich selbst in Erinnerungen schwelgen…
    glg, Nicca von kosmeticca.blogspot.com

  6. Marieleparfum

    1. Juli 2016 at 17:25

    Wir sprechen uns, wenn das Schiff gold ist mimi <3 nichts zu danken. Weg mit der Asche – ab zu den Perlen. Schiff Ahoi. <3 Du machst es richtig ;O)

  7. Marieleparfum

    1. Juli 2016 at 17:06

    Die neuen Bilder und neuen Autoren sind echt der Hammer. Ich dachte es gäbe keine Steigerung mehr, aber das Schiff fährt immer weiter und weiter Richtung Himmelszelt, steil nach oben. Und wird gold *Knicks* und danke dafür.

    • Mimi

      Mimi

      1. Juli 2016 at 17:17

      Oh wow, ich freu mich so sehr über dein Lob und werde es ans Team weitergeben <3 <3 <3 1000 Dank, Liebes!

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