Sexy Schwedenhappen vs. trauriger Vamp oder: Blond oder brünett?

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Jana kenne ich aus der Uni. Als ich als Studianfängerin vor gefühlten 78,7 Jahren zwischen vielen fremden Menschen im Hörsaal saß und auf den Beginn meiner ersten Linguistik-Vorlesung wartete, erklang eine zuckersüße Stimme aus dem Off: „Hi, ist der Platz hier noch frei?“

Meine erste Begegnung mit Jana. Zunächst war ich ein wenig skeptisch. Denn Jana war blond. Ich dagegen bin brünett. Während Jana neben mir Platz nahm, grübelte ich darüber nach, ob ein blondes und ein dunkelhaariges Mädchen Freunde werden könnten.

Allen, die sich gerade am Kopf kratzen und sich fragen, wo da denn bitte das Problem liege, sei gesagt, dass es um die B-Frage geht: Blond oder brünett? Darum, wer die Nase vorn hat im ewigen Kampf der Eitelkeiten. Der sexy-naive Schwedenhappen oder doch die melancholische Intellektuellenbraut?

Weitere Klischees: Blondinen tragen Pastellfarben, pinseln sich Kirschgloss auf den Schmollmund und trinken in schicken Bars Martini, Cocktails oder Prosecco. Dabei kichern sie, und alle finden das irre zauberhaft. Brünette Mädchen hingegen kleiden sich schwarz oder, total wild, in „Erdfarben“, tragen traurige Lippenstiftnuancen und saufen auf abgefuckten Kellerpartys schnödes Pils, bis sie sich in einer Zimmerecke erbrechen. Dann schämen sie sich, und alle finden das nervig.

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So eine Mimi in blond? Neeee!

Ja, ich, brünett seit dem Tag meiner Geburt, bin ein wenig verbittert und das nicht zu Unrecht. Denn es geht um viel mehr als nur um Haarfarben und Vorurteile. Es geht hier ums Prinzip. Die brünette Fraktion hat ein Problem mit euch, ihr lieben blonden Frauen (ja, ich pauschalisiere hier mal ganz kess). Woran das liegt, fragt ihr euch? An jahrelanger Diskriminierung liegt das. Beispiel Kino: Während sich sämtliche goldgelockte Filmheldinnen in Komödien und Romantikstreifen unbeschwert ins Leben stürzen, leicht wie eine Sommerbrise in Leinenkleidchen durch Kornfelder hüpfen und dabei niedlich-hysterisch mit ihren Kulleraugen rollen, sind uns Dunkelhaarigen seit Jahr und Tag die fiesen Parts zugedacht. Sei es die Rolle der Intrigantin, der Businesstrine oder die der manisch-depressiven Psychopathin. Im besten Fall reicht es gerade noch zum Vamp, der Männer zum Frühstück verspeist und dabei 24/7 streng aus der Wäsche schaut. Zugegeben: Es mag ja sein, dass Jungs sich nach „rassigen“ Frauen, die Dinge sagen wie „Ey Kleiner, warste denn auch brav?“ alle zehn Finger lecken, aber wir nun mal nicht. Im Gegenteil.

Wir Damen in Brünett wollen auch mal unschuldig-sexy sein. Und unbeschwert und süß. Immer streng gucken ist nämlich anstrengend. Wir wollen nicht ewig die doofen Problemfälle sein, mit denen niemand spielen will. Und genauso wenig wollen wir ständig auf unseren Intellekt reduziert werden.

Die einfachste Lösung für dieses Problem wäre vermutlich, sich das Haar zu bleichen. Das geht aber nicht. Weil es Verrat wäre. Und doch – einmal Sonnenschein statt Regenwolke sein, ach, das wäre schön. Leider ist die Umsetzung eines solchen Wunsches gar nicht so einfach. Nehmen wir zum Beispiel meinen letzten Shoppingtrip mit Jana, die sich trotz meines anfänglichen Widerstandes einen Für-immer-und-ewig-Stammplatz in meinem wild pochenden Herzen erkämpft hat.

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Passend zum Klischee präsentiert sich die rabenschwarzhaarige Mimi hier betont melancholisch. Seufz.

Ich gab mir die größte Mühe, möglichst drollig drein zu schauen, hübsch zu lächeln und lauter so blöde Sachen. Nützte leider nichts. Die Jungs stierten ausschließlich meiner skandinavisch anmutenden Freundin nach, was mich traurig machte. Irgendwann bemerkte ich, dass Jana nachdenklich vor sich hin starrte. „Was is‘n los?“, fragte ich. „Hach“, seufzte Jana, „ich will mich verändern. Ich wäre so gerne mal brünett, das wirkt so mysteriös und gebildet und verrucht. Meinst du, das steht mir?“

Mittlerweile ist Jana brünett, und ich… nun ja, ich überlege. Blond oder nicht blond ist die Frage, die ich mir seit einigen Tagen stelle, Verrat hin oder her. Weil ich mich auch verändern möchte, so wie meine ehemals blonde Freundin. Vielleicht könnten wir ja dann im Sommer wie Rehe durch die Kornfelder springen, uns an den Händen halten und uns schön fühlen. Jana in Lederkluft mit verwegen wallendem Haar, cool wie weiland Lara Croft, ich mit sanft gezwirbelten Goldlocken im kurzen Leinenkleidchen und Kirschgloss auf den Lippen.

Oje, was soll ich nur tun? So eine verflixt schwierige Entscheidung aber auch. Jetzt gönne ich mir aber erstmal ein lässiges Feierabendpils in meiner Stammkneipe, bevor ich mich zur Kellerparty bei Hans-Werner aufmache. Und sage was Nettes zum sexy schmexy Kellner, der mich soeben fragte, ob ich ihn nicht bei Facebook adden wolle. So etwas wie „Ey Kleiner, warste denn auch brav?“. Funktioniert immer.

5 Comments

  1. bernd das Brot

    9. Mai 2016 at 18:04

    Oder ein Garten mit Blumen und Bäumen und was zu Essen drin. Und wenn einem solche schwerwiegned Fragen quälen geht man oder Frau da hin und macht was. Oder isst ganz viel lecker Sachen.

    • Mimi

      Mimi

      10. Mai 2016 at 15:31

      Hä? :D

  2. Rheintochter Esme

    9. Mai 2016 at 13:07

    Als Verleugnerin meiner Naturhaarfarbe (ein sattes Blauschwatt anstelle des natürlichen Straßenköterblond) bin ich ja grundsätzlich pro Haarfärberei – aber hat echt die Haarfarbe so viel damit zu tun, wie Andere einen wahrnehmen? Ist mir nie so aufgefallen – ich hab‘ solche Kategorien wie „süß“ etc. immer in erster Linie mit dem Gesamtbild (Kleidungsstil, Auftreten, und nicht zuletzt mit den körperlichen Gegebenheiten…) verbunden. Aber da sehen wir’s wieder, die Wahrnehmung ist bei allen anders, nech.
    Ich kann mir Dich nur schwer in blond vorstellen – aber wenn Du Bock darauf hast, probier’s aus (ich hab‘ ja furchtbar Angst vor Blondierzeugs, weil es noch viel aggressiver als „normale“ Haarfarbe ist – und nach leidvoller „unpassender Haarschnitt“-Erfahrung will ich NIE WIEDER mein Haar kurz tragen.) – wer will’s Dir denn verbieten?
    Ich find‘ Dich mega, ob brünett, strohblond oder grün mit pinken Streifen! Und das bleibt auch so!
    Liebe vom Rhein! <3

  3. JudgeDark

    8. Mai 2016 at 17:55

    Ein klares NEIN! Kein blond für Mimi … da bin ich entschieden gegen! Man kann so viel verändern, aber mit der Haarfarbe wäre es nicht nur Verrat, es wäre einfach falsch. Und das sage ich nicht nur, weil ich persönlich eher auf brünett stehe sondern aus fester Überzeugung!

    • Mimi

      Mimi

      9. Mai 2016 at 2:11

      Okeee😌😊🙏🏻

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